Gislason wirft wolff raus – freihöfer zurück, u19-star darf schnuppern
Andreas Wolff fliegt. Der WM-Held und EM-All-Star-Torhüter muss im März zusehen, wie zwei junge Kollegen zwischen den Pfosten wachsen. Bundestrainer Alfred Gislason nominierte am Mittwoch einen 17-Mann-Kader für die Doppelbelastung gegen Afrikameister Ägypten – und schickt mit Lasse Ludwig erstmals einen Debütanten ins Länderspiel-Treibhaus.
Die Botschaft ist klar: Silber ist vergessen, Konkurrenz ist zurück. Gislason nutzt die 100 Tage nach dem Finale von Budapest, um genau jene Nischen zu testen, die eine Gold-Generation noch von der eigenen Haustür trennen. Denn in 300 Tagen rollt der Ball zur Heim-WM – und bis dahin will der Isländer wissen, wer trägt, wenn der Druck laut wird.
Tim freihöfer darf zurückkehren
Freihöfer, vor vier Monaten noch Außenseiter, profitiert vom kleinen Sturm im Kader. Rune Dahmke muss weichen, Nils Lichtlein fehlt verletzt. Für den Füchse-Linksaußen ist es die Chance, sich endgültig aus dem Schatten der EM-Reservisten zu befreien. „Er weiß, dass er jetzt zupacken muss“, sagt Gislason lapidar. Mehr muss er nicht sagen. Die Uhr tickt.
Die größte Überrasheit steht aber zwischen den Pfosten. Wolff, bislang unangefochtener Rückhalt, räumt freiwillig – oder erzwungen – das Feld. David Späth bekommt den zweiten Versuch nach seinem kurzen EM-Cameo, Lasse Ludwig vom Bundesliga-Spitzenreiter Füchse Berlin darf sich beweisen. „Wir brauchen zwei Keeper, die bereit sind, wenn es brennt“, so Gislason. Dahinter steckt ein Plan: Wer jetzt liefert, spielt vielleicht schon im Januar 2027.

Rasmus ankermann kriegt einblick
Ein anderer Name sorgt für Raunen in den Hallen. Rasmus Ankermann, 18, U19-Weltmeister, THW-Kiel-Talent. Er darf als Trainingsgast mitten ins Profi-Getümmel schnuppern – und anschließend direkt zur U20 abtreten. Kein Geschenk, sondern Strategie. „Wir wollen die Sprungbretter früh aufstellen“, erklärt Sportvorstand Ingo Meckes. Übersetzt: Gislason baut keine Mannschaft für ein Turnier, er baut eine Staffel.
Die Gegner sind keine Statisten. Ägypten liefert den Druck, den Deutschland braucht. Nach Dänemark und Frankreich gilt das Nordafrika-Team als gefährlichste Rückraum-Maschine der Welt. „Wir bekommen Aufgaben, die wir sonst nur im Halbfinale lösen“, sagt Gislason. Er sagt es fast beiläufig. Aber die Stimme wird härter, wenn er vom 13. Januar 2027 spricht.
Tickets gibt es nur noch als Restposten. 19. März in Dortmund, 22. März in Bremen. Beide Spiele live im Free-TV. Die Nachfrage ist ein Indikator: Handball ist wieder ein Sommerthema. Die Fans spüren, dass etwas wächst. Die Spieler spüren, dass jeder Fehler zählt. Und Wolff? Der sitzt zuhause, schaut ProSieben und weiß: Die Konkurrenz ist jünger geworden. Die Uhr tickt lauter als je zuvor.
