Gislason nennt morgen kader: was die hpi-zahlen verraten

Morgen gibt Alfred Gislason seinen Kader für die beiden Länderspiele gegen Ägypten bekannt – 19. und 22. März, zwei Tests gegen den amtierenden Afrikameister. Wer kommt rein, wer bleibt draußen? Wenn man die Statistiken der Daikin Handball-Bundesliga ehrlich anschaut, wird die Antwort unbequem für einige gesetzte Namen.

Was der hpi wirklich aussagt – und was nicht

Der Handball Performance Index, kurz HPI, bündelt Tore, Assists, Paraden und technische Fehler zu einem einzigen Leistungswert. Die HBL und Dyn nutzen ihn monatlich für die Wahl zum Spieler des Monats. Kein perfektes Instrument, aber ein ehrlicheres als das Bauchgefühl mancher Bundestrainer.

Und was zeigt dieser Index? Jannik Kohlbacher, Justus Fischer und Johannes Golla führen auf der Kreisläuferposition mit je einem HPI-Wert von 84. Im Rückraum links dominiert Julian Köster vom VfL Gummersbach mit 80 Punkten. Rückraum Mitte gehört Leif Tissier aus Hannover-Burgdorf – ebenfalls 80. Zahlen, die man nicht wegdiskutieren kann.

Die unbequemen namen auf der liste

Die unbequemen namen auf der liste

Dann sind da noch die Fälle, die Gislason erklären müsste. Kai Häfner, Rückraum rechts bei TBV Stuttgart, führt seine Position mit einem HPI von 80 an und hat ligaweit die meisten Tore auf dieser Position gesammelt: 187. Nur: Häfner ist seit Langem aus dem Nationalteam zurückgetreten. Dyn-Experte Stefan Kretzschmar adelte ihn trotzdem kürzlich als besten Halbrechten Deutschlands. Man muss das nicht kommentieren. Die Zahl tut es selbst.

Ähnlich pikant: Rune Dahmke, Vize-Europameister und Stammgast im DHB-Aufgebot, kommt auf einen HPI von gerade mal 65. Sein Kieler Teamkollege Magnus Landin – immerhin Stammspieler bei Europameister Dänemark – käme mit 70 Punkten ebenfalls nicht in die Top 40 der Liga. Gislason nominierte Dahmke trotzdem zur EM, wo dieser kaum zum Einsatz kam. Bob Hanning, Manager der Füchse Berlin, hatte genau das in seiner kicker-Kolumne scharf kritisiert und dabei auf Tim Freihöfer verwiesen, der damals mehr Bundesliga-Tore auf dem Konto hatte als Dahmke und Lukas Mertens zusammen.

Sieben vize-europameister schaffen den hpi-cut – fünf nicht

Sieben vize-europameister schaffen den hpi-cut – fünf nicht

Von den deutschen EM-Silbermedaillengewinnern schaffen es laut aktuellem HPI-Stand sieben in die Top 40 der Liga. Spieler wie Lukas Mertens (73), Matthes Langhoff (72) oder Tom Kiesler (70) verpassen den Korridor hauchdünn. Kiesler hat ohnehin ein defensiv geprägtes Profil – solche Spieler fallen bei reinen Offensivstatistiken naturgemäß zurück. Das ist keine Kritik, das ist Mathematik.

Wer bei dieser Betrachtung komplett aus dem Raster fällt: Juri Knorr. Der Spielmacher ist der einzige Auslandslegionär im DHB-Kader und spielt in Aalborg – seine Bundesliga-Statistiken gibt es schlicht nicht.

Torwart, außen, rückraum – die zahlen im überblick

Torwart, außen, rückraum – die zahlen im überblick

Zwischen den Pfosten liefern sich Lasse Ludwig (Füchse Berlin) und David Späth (Rhein-Neckar Löwen) mit je 72 HPI-Punkten ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Späth hat mit 241 Paraden die meisten Bälle gehalten. Andreas Wolff (THW Kiel, 71) folgt dicht dahinter.

Auf Linksaußen ragt Noah Beyer vom Bergischen HC heraus: 76 HPI, 124 Tore – Ligabestwert auf seiner Position. Auf der rechten Seite führt Lukas Zerbe aus Kiel mit 76 HPI und 103 Treffern.

Gislason wird morgen einen Kader vorstellen, der sich nicht allein aus Statistiken zusammensetzt. Das war nie so, das wird nie so sein. Taktische Rollen, Erfahrung, Chemie im Team – all das fließt ein. Aber wenn Spieler wie Tissier, Fischer oder Köster am Ende nicht dabei sind, braucht der Bundestrainer diesmal sehr gute Argumente. Die Zahlen stehen im Raum.