Giráldez zerbricht: „ich habe alles falsch gemacht“ – celta verspielt 3:0 gegen alavés
Claudio Giráldez saß im Presseraum wie ein Mann, der soeben seinen Führerschein verloren hat – mit 120 km/h in der Stadt geblitzt und nüchtern zugegeben, dass er das Gaspedal selbst durchgedrückt hat. 3:0 zur Pause, 3:4 nach dem Schlusspfiff. Der Celta-Trainer fasste es in einen Satz: „Ich habe in der zweiten Halbzeit alles falsch gemacht.“
Die selbstanklage des taktikers
Kein „Fußball ist halt so“, kein „die Jungs haben sich müde gespielt“. Giráldez lieferte stattdessen ein Geständnis ohne Vorhang. „Wenn ich eine schlüssige Erklärung hätte, hätten wir das Problem schon vorher repariert“, sagte er und klang dabei wie ein Pilot, der merkt, dass die Kerosin-Anzeige seit zehn Minuten auf Null tickt – und die Maschine noch immer in der Luft. Die Wende kam nicht aus dem Nichts, sondern aus einer Kette von Mikro-Fehlern, die sich zur Lawine summierten.
Die erste Halbzeit war ein Lehrbuch für Ballbesitz-Fußball: Celta presste Alavés in dessen Hälfte fest, spielte 23 Pässe in Folge, bis der Gegner nur noch hinterherlief. Doch dann begann der Selbstabbruch. „Wir wollten plötzlich aus jedem Angriff ein Kunstwerk machen, statt einfach das Tempo zu schrauben“, erklärte Giráldez. Die zentrale Achse mit Tapia und Beltrán fehlte verletzt – was Alavés erlaubte, die Lücken mit Laufpässen zu schneiden. Die einstige 3:0-Sicherheit schmolz innerhalb von 17 Minuten zu einer 3:4-Katastrophe.

Radu-verletzung zerriss den plan
Den Knackpunkt markierte der Muskelriss von Keeper Sergio Radu. „Plötzlich standen wir mit einem Bein in der Kabine, weil wir fürchten mussten, ohne Auswechselspieler dazustehen“, sagte Giráldez. Die Unsicherheit schwappte auf die Abwehr über. Statt den Rückpass zu kontrollieren, schlugen die Innenverteidiger lange Bälle – direkt ins Pressefeuer der Gäste. Die Statistik ist gnadenhaft: Nach der 70. Minute gewann Celta nur noch 28 Prozent der Zweikämpfe, vorher 62.
Der Trainer nahm die Schuld komplett auf sich. „Ich habe die Wechsel verzögert, die Systemumstellung zu spät angeordnet und die Spieler mit meiner Unsicherheit angesteckt.“ Dabei hatte Celta zuvor vier Spiele ohne Niederlage gehabt – ein Lauf, der nun abrupt stoppte. „Jedes Mal, wenn wir anfangen, die Glocken zu läuten und von Europa League träumen, schießen wir uns selbst ab“, murmelte Giráldez. Die Saison ist noch lang, aber die Lektion sitzt tief: eine Minute Nachlässigkeit reicht, um 90 Minuten Perfektion zu versenken.
