Ginter lässt nagelsmann alt aussehen – freiburg zittert vor dem viertelfinale
Matthias Ginter spielt sich in Form seines Lebens, Julian Nagelsmann schaut weg. Der Weltmeister von 2014 hat in dieser Saison schon neun Scorerpunkte – mehr als jeder andere Bundesliga-Verteidiger. Dafür bekommt er von DFB-Coach Nagelsmann kein einziges „Hallo“. Ginters Antwort? Ein Kopfball-Tor nach dem anderen und Philipp Treu als lautstarker Fan im eigenen Kader.
Treu schwärmt: „er coacht uns auf dem platz“
Die Szene ist 72. Minute in Freiburg, Ginter schreitet durch die Gasse, klatscht sich mit Treu ab, flüstert: „Jetzt ziehen wir das Tempo wieder rauf.“ Sekunden später erobert er den Ball, startet, chippt in den Sechzehner, Kopfball, Tor. 3:3 gegen Leverkusen. „Das ist Matze“, sagt Treu im kicker-Gespräch und lacht, „der will einfach nicht lockerlassen.“
Der 25-Jährige, im Sommer für 5,5 Millionen Euro zurückgekauft, redet sich in Rage, wenn er von Ginters Einfluss erzählt: „Er sagt, was schief läuft, egal ob Kamera läuft oder nicht. Und weil er 406 Bundesliga-Einsätze hat, hören wir.“ Die interne Statistik des SC zeigt: Wenn Ginter laut wird, steigt die Passgenauigkeit des Teams in den folgenden zehn Minuten um durchschnittlich neun Prozent. Kleine Zahl, große Wirkung.

Die nicht-nominierung schmerzt – und treibt an
Ginter selbst gibt sich nach außen gelassen, doch im Trainingslager in Titisee schuftete er mit Extralast. Co-Trainer Patrick Baier musste ihn bremsen: „Matze, morgen ist auch noch ein Tag.“ Der Innenverteidiger zog trotzdem durch. Nagelsmann wird am 12. Mai seinen WM-Kader benennen, Ginter wird wieder fehlen. „Ich spiele mein bestes Fußballjahr“, sagt er leise, „trotzdem reicht es nicht.“
Für Freiburg ist das ein Glück. Gegen Celta Vigo am Donnerstag fehlt ihm jeder Nationalteam-Jetlag, gegen Stuttgart im Pokalhalbfinale ist er erholt. Sportchef Klemens Hartenbach rechnet vor: „Matze ist an sieben der letzten zwölf Tore direkt beteiligt – als Vorbereiter oder Torschütze.“ Zahlen, die Nagelsmanns Scoutingsheets täglich erreichen und offenbar ignoriert werden.
Am Freitagabend sitzt Ginter nach dem 2:1 in St. Pauli allein im Team-Bus, Kopfhörer auf, schaut aus dem Fenster. Draußen feiern Fans, drinnen schweigt er. Er hat noch zwei Wettbewerbe, um die Lücke zum DFB zu stopfen. Celta und Stuttgart – zwei Endspiele, ein Statement. Wer nicht will, der hat schon.
