Giacomel packt aus: „ich bin noch immer wütend“ – herz-debakel wirft ihn zurück
Tommaso Giacomel spricht mit zitternder Stimme. „Silber mit der Staffel war schön, aber ich wollte mehr“, sagt Italiens Biathlon-Superstar und ballt die Faust. Drei Monate nach dem Kollaps von Antholz brennt die Enttäuschung immer noch – und sie wird größer, je näher die neue Saison rückt.
Der tag, als das herz plötzlich rast
Massenstart, drittes Schießen, Giacomel liegt vorn. Dann ein stechender Schmerz, Sekundenbruchteile später sackt er am Rand der Strecke zusammen. Diagnose: Vorhofflimmern. Saison sofort beendet, Olympia-Traum zerborsten. „Es fühlte sich an, als würde ich ersticken“, erinnert sich der 26-Jährige. Die Operation in Mailand verlief gut, doch die Frage bleibt: War es stressbedingt, Erbes oder einfach Pech?
Beim Media-Day des italienischen Skiverbands wirkt Giacomel schlanker, fast zerbrechlich. „Ich trainiere wieder, aber jedes Geräusch des eigenen Pulses erinnert mich an den Moment“, gesteht er. Kein Selbstmitleid, nur ehrliche Wut. „Ich bin sauer auf den Körper, sauer auf das Timing, sauer auf die Umstände.“

Rösch kennt das gefühl des herzrasens
Michael Rösch, früher Weltmeister, heute Eurosport-Experte, schmunzelt nicht, als er die Szene kommentiert. „Ich lag in Oslo auf Podestkurs, plötzlich rast mein Herz wie eine Rasenmäher-Kurbel“, erzählt der Deutsche. Ärzte fanden eine harmlose Klappen-Anomalie – aber die Seele spielt verrückt. „Du gehst auf die Loipe und horst dich selbst lauschen. Jeder Schnauf wird zur Drohung.“
Rösches Fazit fällt dennoch optimistisch aus: „Giacomel hat zwei Dinge auf seiner Seite: Jugend und Ego. Beides heilt schneller, als man denkt.“

Plan b lautet angriff
Statt Winterpause absolviert Giacomel bereits Rollski-Intervalle mit Pulsgurt, der neue Trainerstaffel um Guido Viacco mischt hohes Volumen mit mentaler Betreuung. Der Athlet will keine halben Sachen. „Meine Träume wurden nur aufgeschoben, nicht gestrichen“, sagt er und streicht sich über die dinne Narbe auf der Brust. Die nächste WM findet 2027 in Lenzerheide statt – keine zwei Flugstunden von seiner Heimat in Toblach entfernt.
Die Zahlen sprechen für ihn: Vor dem Kollaps führte Giacomel die Weltcup-Gesamtwertung an, seine Trefferquote im Stehenschießen lag bei 89 Prozent. „Ich weiß, dass ich zurückkomme. Die Frage ist nur, wie laut mein Herz dabei klopft.“
