Gehen statt rennen: roms walking football erstmals mit 30 teams
Roma schreibt Fußballgeschichte – und zwar langsamer als je zuvor. Am Wochenende startet auf dem Centro Sportivo «Cesare Valle» der erste internationale Walking-Football-Cup Italiens. 30 Teams aus ganz Europa treffen sich am Samstag und Sonntag, um ohne Lauf, ohne Kopfball und ohne Kontakt um den Titel zu bidden. Kein Sprint, kein Torjubel mit Galopp – dafür umso mehr Taktik.
Kein lauf, kein kopfball, kein problem
Die Sportart kam 2011 in England auf, weil ältere Spieler nicht aufhören wollten, sondern nur langsamer. Mittlerweile hat der Premier-League-Klub Manchester City eine eigene Walking-Football-Abteilung, Newcastle und Arsenal ebenfalls. In Deutschland trainieren Ligen in Berlin und Münster, in Österreich spielt Red Bull Salzburg mit. Nun also Italien.
Andrea Ceccarelli, Präsident der jungen Lega Nazionale Walking Football, schickt seine Schützlinge auf Rekordmission: «Wir zählen knapp 1.000 Aktive im Land. Nach Rom kommen fast 400 – das ist ein Quantensprung.» Seine Devise: Ein Schritt nach dem anderen, aber keinen Meter rennen. Wer die Fersen hebt, bekommt Freistoß gegen sich.

Der videobeweis kommt per gopro
Schiedsrichter Claudio Bianchi klebt sich eine Action-Cam auf die Brust. «Bei normalem Tempo erkenne ich Fouls sofort», sagt er. Die größte Herausforderung sei nicht der Regelverstoß, sondern der innere Schweinehund: «Viele wollen instinktiv los sprinten, wenn der Ball in den Lauf kommt. Dann pfeife ich sofort.»
Preisgeld? Gibt es nicht. Dafür Medaillen aus recyceltem Kunststoff und ein Gemeinschaftserlebnis, das laut Ceccarelli «Generationen verbindet». Denn neben Senioren-Teams haben sich in diesem Jahr erstmals zwei reine Frauen- und sogar eine U-18-Mannschaft angemeldet. Der jüngste Spieler ist 14, der älste 78.

Tv-experte diamanti will mitmischen
Alessandro Diamanti, ehemaliger Mittelfeldspieler der italienischen Nationalmannschaft, wird das Eröffnungsspiel moderieren – und direkt mitkicken. «Ich habe meinen Kids versprochen, dass Papa nicht rennt, sondern zaubert», lacht der 40-Jährige. «Mit Ü-40-Knie ist Walking Football perfekt.»
Die Organisatoren rechnen mit 1.500 Zuschauern an beiden Tagen. Eintritt frei, dafür kostenpflichtig: die Pizza vom Food-Truck und das alkoholfreie Bier im Fanshop. Wer live dabei sein will, muss sich beeilen – die Parkplätze rund um das Centro Sportivo sind bereits vergriffen.
Nach Rom geht’s für die Liga weiter nach Florenz, Bologna und Bari. Ceccarelli zieht Bilanz: «2025 wollen wir 5.000 Aktive haben. Und wenn dann ein Walking Footballer den Ball ins Tor trägt, ohne zu rennen, wird ganz Italien verstehen, dass langsamer nicht langweiler bedeutet.»
