Gaugischs pflichtsieg zerreißt den spielplan: em-ticket schon am sonntag?
Markus Gaugisch wollte in Celje prüfen, wie weit seine DHB-Auswahl nach dem Silber-Rausch von Dezember schon ist. Stattdessen bekam er einen Kampf, in dem die Schiedsrichter fast so oft pfeifen mussten wie die Sloweninnen den Ball ins Tor schmetterten.
30:23 lautet der Befreiungsschlag, doch die Zahlen, die den Bundestrainer ärgern, stehen in einer anderen Spalte: zehn Minuten in Unterzahl, vier Feldverweisungen gegen deutsche Spielerinnen. „Wir haben nicht mal die Gelegenheit bekommen, unsere neuen Automatismen einzuüben“, sagt Gaugisch, nachdem er sich durch 60 Minuten Schlagabtausch gequält hat. „Diese Partie war ein Stresstest, kein Lehrspiel.“
Die qual der wahl: weiterentwicklung oder punkte?
Die Entscheidung fiel zugunsten der Punkte. Mit zwei Treffern Vorsprung ging’s in die Kabine, mit sieben Toren Vorsprung zurück auf die Busse. Die Sloweninnen, EM-Teilnehmerin und Olympia-Gastgeberin, lieferten sich mit den Deutschen eine Begegnung auf Augenhöhe, bis die deutsche Deckung in der Schlussphase endlich die Lücken zu machte. „Wir haben gezeigt, dass wir auch dann gewinnen, wenn der Plan nicht aufgeht“, sagt Kapitänin Alina Wessel. Genau das ist Gaugischs Dilemma: Er verlängerte im Januar seinen Vertrag bis 2028, um langfristig eine Mannschaft zu bauen, die auch gegen Norwegen und Frankreich mithalten kann. Doch die Qualifikationsspiele lassen kaum Raum für Experimente.
Die Bilanz nach dem ersten von drei Qualifikationsfenstern: zwei Spiele, zwei Siege, null Niederlage. Trotzdem nagt der 51-Jährige an den Details. „Wir wollten unsere Rückraumrotation testen, haben aber fast nur Standardsituationen gespielt“, klagt er. „Statt neue Laufwege einzustudieren, haben wir uns mit Strafzeiten herumgeschlagen.“ Die Statistik liefert ihm recht: Keine andere deutsche Mannschaft kassierte in einem EM-Quali-Spiel der letzten zehn Jahre mehr Zeitstrafen.

Heidelberg als endspiel – schon wieder
Am Sonntag, 15.30 Uhr, kommt es im heimischen SAP-Arena-Nebengebäude zum Rückspiel. Ein Sieg gegen dieselben Sloweninnen, diesmal vor heimischem Publikum, würde die EM-Teilnahme zwei Spieltage vor Schlüssel fixieren. „Wir haben uns vorgenommen, in Heidelberg Handball zu spielen, der uns weiterbringt“, sagt Gaugisch. Die Botschaft an seine Spielerinnen ist klar: Dominanz statt Dauerfeuer, Klarheit statt Krawall.
Für die Fans klingt das wie ein Déjà-vu. Bereits vor der Heim-WM hatte das Team in Heidelberg die letzten Testspiele absolviert, dort wurde der Grundstein für das Silber gelegt. Nun droht derselbe Ort zur Zwischenstation zu werden, bevor die großen Gegner warten. „Wir wollen nicht nur qualifizieren, wir wollen uns empfehlen“, sagt Gaugisch. Die nächste Lektion steht an – mit oder ohne Spielplan, der seinem Entwicklungsplan folgt.
Die Zahlen, die zählen: Bei Sieg Nummer zwei gegen Slowenien wäre Deutschland bereits das sechste Team mit fixem EM-Ticket – und Gaugisch hätte endlich Luft, seine Experimente durchzuziehen, statt mit der Peitsche hinterherzurennen.
