Gaugisch wirft fünf em-gold-talente in den tiefen end der april-woche
Markus Gaugisch hat den Luxus, den anderen Nationen fehlt: Er darf planen, während seine Konkurrenten noch zittern. Das EM-Ticket ist gebucht, also schickt der Bundestrainer Deutschlands Handball-Frauen ein halbes Dutzend Teenager in den mazedonischen Hexenkessel von Skopje – und riskiert dabei nichts außer Erfahrung.
Rotation statt routine: gaugischs kader-reset
Die Rechnung ist einfach. Filter, Vogel und Hauf bekommen Luft, dafür sprinten Chiara Rohr und Jana Walther erstmals mit dem Adler auf der Brust durch die Europaparkette. Wer im vergangenen Sommer in Podgorica U19-Europameister wurde, darf nun gegen Nordmazedonien und Belgien zeigen, dass Gold keine Eintagsfliege war.
Gaugisch spricht von „perspektivischer Notwendigkeit“, meint aber: Ich will sehen, ob die Jungen unter Flutlicht genauso grüßen wie in der Halle neben der Schulsporthalle. Die Antwort liefert schon der Blick auf die Trainingsliste. Bornhardt und Petzold dürfen nur zweimal in Großwallstadt mitschwitzen, bevor sie wieder zu ihren Clubs zurückfliegen. Keine Minute Einsatzzeit, aber volle Akklimatisation an A-Dampf.

Zwölf weltmeisterinnen als schutzschirm
Dennoch bleibt das Gerüst stabil. Zwölf Silberheldinnen vom Dezember 2025 stehen bereit, um die Neuen einzukreisen. Leuchter und Lott reisen erst ab Donnerstag an, Grijseels wartet ebenfalls auf den zweiten Akkord. Die Devise lautet: Siegen mit Ansage, aber ohne zu brennen. Denn wer im April schon Vollgas gibt, kann im Dezember nicht mehr nachlegen.
Die Zahlen sprechen für Gaugisch. Seit der Quali-Auftakt kassierte das DHB-Team nur 19,3 Gegentore pro Spiel – Bestwert aller neun Gruppen. Selbst wenn nun halb Leipzig in der Abwehr rotiert, dürfte der Schnitt kaum ins Schlingern geraten. Und sollte doch ein Tor zur Seite kullern, wartet hinter Weiss und Kuske mit Wachter die nächste Generation schon auf ihren Einsatz.
Skopje und Hamm werden also keine Endspiele, sondern Lehrstunden. Für Rohr, Walther, Bornhardt, Tucholke und Däuble beginnt hier das eigentliche Studium: Länderspielluft schnuppern, ohne dass ein Turnier sie zerdrückt. Für Gaugisch beginnt die große Datenernte: Wer reagiert auf die 3-2-1-Deckung, wer trifft aus dem Rückraum, wenn die Uhr auf 58 steht?
Die Fans erhalten einen Vorgeschmack auf Dezember 2026, wenn die EM über fünf Länder verteilt wird. Dann zählt kein Test mehr, nur noch das Ergebnis. Bis dahin darf experimentiert werden, solange zwei Siege am Horizont stehen. Gaugisch hat die Lizenz zur Langzeitbeobachtung – und nutzt sie gnadenlos aus.
