Hutzler schlägt zurück: fce bamberg reaktiviert den mann, der schon einmal rettete
Es ist Freitagabend, die Außentemperatur sinkt auf sieben Grad, und in der Kabine von Eintracht Bamberg steht ein 56-Jähriger, der eigentlich kein Trainer mehr sein wollte. Michael Hutzler schaut sich um, klopft zwei, drei Spielern auf die Schulter, sagt kein langes Wort. Die Botschaft ist trotzdem klar: Die Not-Operation beginnt jetzt.
Der Klub hatte Jan Gernlein nach einem 1-3-5-Start in die Rückrunde rausgeschmissen, die Lücke zu Platz zwei war auf acht Punkte geklettert. Die Devise: keine Experimente. Deshalb ruft Vorstandssprecher Sascha Dorsch genau den an, der schon 2017 die Klasse hielt und drei Jahre später den Aufstieg in die Bayernliga schaffte. Hutzler ist wieder da – nur diesmal hat er 13 Spiele Zeit, statt 34.
Warum hutzler sagen konnte: „ich muss nicht lange überlegen“
Der Anruf kam am Sonntag, 48 Stunden nach dem 4:0 in Großschwarzenlohe, das Interimscoach Simon Schmoll und der verletzte Co-Kapitän Marc Reischmann improvisiert hatten. Hutzler saß in seiner Küche in Bamberg-Kramersfeld, aß Spaghetti mit Basilikumsoße und dachte: „Wenn der FCE ruft, ist das kein Job, das ist Familie.“ Er sagte zu, bevor Dorsch das zweite Angebot formulierte.
Dabei hatte er sich geschworen, nach seinem letzten Engagement in Forchheim die Headset-Mikros an den Nagel zu hängen. „Aber das hier ist mein Herzensverein. Ich kenne die Gänge, den Geruch im Fuchs-Park-Stadion, die Erwartungshaltung auf Tribüne Ost. Und ich kenne den Kader, weil ich acht der Jungs schon in der U19 betreut habe.“

Kettler wird spielender co-trainer – und ulbricht kehrt als ideengeber zurück
Die Personalie ist mehr als ein Notpflaster. Hutzler bekommt mit Christopher Kettler einen Co-Trainer, der gleichzeitig Kapitän bleibt und auf dem Platz die Umsetzung kontrolliert. „Kette ist unser Garant für Durchsetzungskraft“, sagt Dorsch. „Er schreit nicht, er spielt vor.“
Dazu holt der Klub Tobias Ulbrichtzurück, der 2019 mit 22 Treffern die Bayernliga-Torjägerkanone gewann. Ulbricht soll keine Rolle als Co-Trainer bekommen, sondern als „externer Berater für Spielphilosophie und Gegenpressing“. Intern nennen ihn die Spieler schon den „Kreativdirektor“. Er ist 34, kennt die Liga, kennt die Angst des Gegners vor seinem Namen.

Die restsaison ist ein 13-spiele-sprint – ohne sicherheitsgurt
Die Aufgabe ist klar: mindestens 25 Punkte aus den verbleibenden Partien, um die Bayernliga-Relegation zu erreichen. Erster Gegner am Sonntag: Aufstiegskonkurrent Don Bosco Bamberg. Ein Stadtderby, das schon vor dem Anpfiff brennt. Hutzler wird keine drei Trainingseinheiten haben, um seine Automatismen einzuschleifen. „Dafür kenne ich die Seelen der Jungs“, sagt er. „Und sie wissen, dass ich keine zweite Saison bekomme, wenn wir jetzt stolpern.“
Die Mannschaft hat am Dienstag das erste Mal mit ihm trainiert. Die Übung: 8-minütiges Pressing-Spiel, drei Ballverluste, sofort Sprint zurück. Kein einziger Spieler kam zu spät. Hutzler dazu: „Wenn du die Saison retten willst, musst du zuerst die Beine retten.“
Am Ende zählt nur die Frage: Schafft der Klub mit einem 56-Jährigen, der eigentlich im Ruhestand war, den Sprung zurück in die Spur? Hutzler selbst lacht darüber, dann wird er ernst: „Ich habe 2017 gelernt, dass man in Bamberg nicht rechnet, sondern kämpft. Die Tabelle ist jetzt unser Gegner. Und den werde ich persönlich nehmen.“
