Gaugisch wechselt vom dhb-thron in die zweite liga – und das ist kein abstieg
Markus Gaugisch trägt künftig zwei Visitenkarten in der Tasche: Nationaltrainer der deutschen Handballerinnen – und Personalcoach für HBW-Talente in der 2. Bundesliga. Die Meldung kam am Dienstag aus Balingen-Weilstetten, sie klingt nach Nebenschauplatz, ist aber ein klares Signal: Der deutsche Handball rüstet seine Zukunft von unten auf.
Warum ein frauen-bundestrainer plötzlich jungs in der prov coacht
Gaugisch ist kein Fremder im Neckarland. Seit Jahren taucht er sporadisch bei der JSG Balingen-Weilstetten auf, pfiff Übungseinheiten durch, gab den Kids Tipps, wie man eine 3-2-1-Abwehr entwirft oder den Wurfarm nach hinten klappst. Nun packt er das Ganze in ein offizielles Mandat: „Individualcoach“ nennt der Verein die Stelle, erfunden wurde sie für ihn. Aufgabe: Perspektivspieler einzeln an die Leine nehmen, mentale Lücken schließen, Technik-Fehler per KI-Analyse entlarven.
Der Clou: Gaugisch bleibt Bundestrainer. Die 40-Stunden-Woche in Hamburg? Bleibt. Die WM-Vorbereitung? Läuft. Dazwischen sitzt er in der Mey Generalbau Arena, schaut A-Jugendlichen auf die Hände, schickt ihnen Spieldaten aufs Handy. „Ich nehme meinen DHB-Workflow mit“, sagt er. Gemeint ist: Video, Zahlen, Feedback, Wiederholung. Ein Satz, der HBW-Geschäftsführer Axel Kromer wie ein Weihnachtslied klingt. „Absoluter Gewinn“, schwärmt er und erinnert sich an gemeinsame Pfullinger Zeiten, als Gaugisch noch als Spieler durch die Zone sprintete.

Ki, kromer und die zukunft des deutschen handballs
Die Arena selbst wurde in den vergangenen Wochen technisch auf Vordermann. Kameras hängen an der Decke, erfassen jede Drehung, jeden Schritt. Software von Partner E-Projecta wertet Bewegungsmuster aus, spuckt Heatmaps aus, zeigt, wo ein 17-Jähriger seine Wurfchance verpasst. Adrian Fuladdjusch, neuer A-Jugendtrainer und Nachwuchskoordinator, steuert das System. Gaugisch liefert die Interpretation. Ergebnis: individuelle Verbesserungspläne statt Standarddrill.
Ein Nebeneffekt: Die besten Balinger Talente tragen bereits das DHB-Trikot. Wenn Gaugisch sie hier einzeln coacht, pflegt er gleichzeitig sein eigenes Nationalkader. Doppelnutzen, lautet die Devise. „Ich engagiere mich quasi auch für den deutschen Handball“, sagt er – ein Satz, der die Aktion aus Sponsorensicht schlüssig macht.
Die Zahlen sprechen für sich: In der laufenden Saison stellt die JSG drei Aktivspieler für die U-18-Nationalmannschaft. Zwei weitere stehen im Blickfeld. Kein anderer Zweitligaclub liefert derzeit mehr Jung-Nationalspieler. Kromer nennt das „unsere HBW-Zukunft“ und meint: Solange Gaugisch nebenher den Frauen den EM-Titel schießt, darf er ruhig ein paar Tage im Monat bei den Jungs verbringen.
Der Deal ist unbefristet. Kein PR-Gag, kein Kurzstreckenengagement. Gaugisch will, dass aus Talenten Profis werden, die irgendwann das HBW-Trikot in der ersten Liga tragen. Oder eben das DHB-Trikot auf internationalem Parkett. Bis dahin schraubt er an Einzelteilen – und Balingen wird zur Schmiede des deutschen Handballs.
