Gaugisch verschwört sich mit dem nachwuchs: em-ticket sicher, jetzt dürfen die jungen löwinnen ran

Die Handball-Frauen haben die EM-Quali vorzeitig gerockt. Jetzt schickt Bundestrainer Markus Gaugisch seine nächste Garde ins Rennen – und verordnet den Stars eine Zwangspause. Skopje und Hamm werden zur Catwalk-Bühne für Chiara Rohr, Jana Walther und Aylin Bornhardt.

Goldene u19 wird durchgerasselt

Die drei sind kein Zufall. Rohr, Walther und Bornhardt holten vor neun Monaten den EM-Titel in Skopje – jetzt kehren sie in dieselbe Halle zurück, nur mit anderem Logo auf der Brust. Gaugisch packt den Mut: „Wir wollen wissen, wer bei 8.000 Zuschauern die Hand nicht zittert“, sagt er im Team-Hotel. Die Antwort liefert er selbst: Wer jetzt überzeugt, steigt beim EM-Turnier im Dezember ins Flugzeug nach Kattowitz.

Die Rechnung geht auf. Weil Sarah Wachter (Handgelenks-OP) und Annika Lott (Adduktoren) passen müssen, rücken Alina Grijseels und Lena Degenhardt nach – und Katharina Filter fliegt erst am Samstag aus dem Kurzurlaub zurück, um gegen Belgien zu kicken. „Eigentlich sollte sie durchschnaufen“, lacht Torwart-Coach Christian Dieck, „aber Sarahs Ausfall zwingt uns zur kleinen Liste.“

Rotation statt routine

Rotation statt routine

Gaugisch hat die Zahlen parat: 14 Spielerinnen unter 23 Jahren standen in diesem Quali-Zyklus mindestens einmal im Kader. Den Altersdurchschnitt drückte er von 26,4 auf 24,1 – ein Wert, den zuletzt die DHB-Männer 2014 hatten, kurz vor dem WM-Titel. „Wir bauen keine Experimente, wir schaffen Tatsachen“, betont der 51-Jährige. Die Devise lautet: Sieg in Skopje, Sieg gegen Belgien – und dann wird in Kattowitz gelost, wer im Dezember die polnischen Hallen zum Kochen bringt.

Für Emily Vogel wird es ein Sonntag auf der Couch. Die 27-jährige Rückraum-Schützin bekommt freiwillig frei – Gaugisch will ihre Schulter schonen. „Sie schaut als Erste die Videos der jungen Wilden und gibt Notizen“, verrät Assistenztrainerin Sabine Fikowski. Eine Aufgabe, die Vogel lachend kommentiert: „Ich bin jetzt Scout statt Spielerin – und nächstes Jahr wieder beides.“

Die Botschaft ist klar: Die EM-Quali ist gelaufen, der Kampf um den Kader beginnt erst. Wer heute in Skopje trifft, darf im Dezember träumen. Und wer träumt, kann in Polen Geschichte schreiben. Die deutsche Handball-Zukunft hat zwei Namen: Rohr und Walther. Der Countdown läuft.