Gasperini zieht notbremse: roma vor europa-crunch – bologna-spiel wird zur zerreißprobe
Im Staub von Como wittert Gian Piero Gasperini noch immer Schiedsrichter-Magnesium. 48 Stunden vor dem Rückspiel gegen Bologna, das die Roma entweder ins Viertelfinale der Europa League schickt oder auf die Abstellgleise der mittelmäßigen Saison, bleibt die Rote Karte gegen Wesley der Nagel im Schuh. „Wenn du dich verarscht vorkommst, bleibt dir nur, dumm zu gucken – ich mache jetzt dieses Gesicht“, giftet der Coach und wirft damit ein zweites Feuerzeug in die Pulverfass-Stimmung des Olympico.
Der countdown läuft: koné lahmt, el shaarawy soll zünden
Im Trainingslager herrscht Lazarett-Atmosphäre. Jean-Clair Todibo fehlt ohnehin, Mancini und Celik tapern auf Krücken, aber der Name, der durch den Medical Report klopft, ist Seko Koné. „Von allen Prellungen ist er die schlimmste, wir warten auf ein Wunder bis zum Abschlusstraining“, sagt Gasperini, während die Physios um 23 Uhr noch Lichtbilder wälzen. Vorne bleibt nur ein Flickenteppich: Stephan El Shaarawy, 31 Jahre jung, 249 Roma-Einsätze, soll gegen Bologna die Schnellkraft ausstrahlen, die der Rest des Kaders in den Knochen trägt. „Sonntag hat er den Elfmeter provoziert, morgen muss er uns tragen“, fordert der Trainer und meint damit, dass hinter El Shaarawy, Pellegrini und Zaragoza schon der Nachwuchs wartet.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit Oktober hat Roma nur drei Pflichtspiele in Folge gewonnen, die letzten beiden Serie-A-Auswärtspleiten in Como und Genua kosteten sechs Punkte und jede Mutterkucke-Selbstbeweihräucherung. Gasperini weigert sich, die Schuld bei den Refs zu lassen, aber er kramt die Episoden trotzdem hervor: „Wenn du in Como in Unterzahl landest und in Genua den post-morten VAR bekommst, ist das kein Alibi – es sind Tatsachen.“ Seine Spieler haben in dieser Saison schon vier Rote Karten gesehen, so viel wie kein anderes Serie-A-Team. Das macht 360 Minuten in Unterzahl, fast vier volle Spiele mit einem Mann weniger.

Wesley bricht sein schweigen: „ich wollte nicht gehen, nie“
Der Brasilianer sitzt neben seinem Coach, die Kamera läuft, und plötzlich kippt die Stimmlage. „Kein Foul, null“, sagt er und schlägt dabei mit der flachen Hand auf den Tisch, sodass das Mikrofon rumpelt. „Ich laufe parallel zu Diao, spüre, wie er sich gegen mich lehnt, und stütze ihn ab – das ist Body-Check, kein Brechmittel.“ Die Referee-Ordner der AIA haben Massa freigesprochen, doch Wesley glaubt an Video-Beweise, die nie im VAR-Raum landeten. „Spielstand 1:1, und plötzlich stehen wir mit zehn Mann. Das ist keine Entscheidung, das ist ein Schnitt ins Seil.“
Gasperini nickt, spürt, dass die Kabine hinter ihm dampft. „Wenn wir morgen rausfliegen, haben wir immer noch die Serie A, klar. Aber die Champions-League-Ränge sind jetzt vier Punkte entfernt, und das ist das echte Ticket. Bologna ist kein Gegner, das ist ein Spiegel.“
Der Olympico wird 68.000 Fans fassen, die Kurve sud wird „Roma è maggiore“ skandieren, und irgendwo zwischen Tribüne und Trainerbank steht ein Taktikbrett, auf dem Konés Name noch mit Fragezeichen steht. Gasperini schließt die Pressekonferenz mit einem Satz, der mehr ist als Motivation: „Wenn wir nicht gewinnen, ist unsere Saison kein Fiasko – aber sie wird ein Selbststudium ohne Happy End.“ Die Uhr tickt, das Feuerzeug liegt noch im Sand, und morgen um 21 Uhr zählt nur noch ein Ergebnis: Weiterkommen oder Winter-Reset.
