Gasperini bricht fair-play-regel: fabregas empört über roma-schnauze
Der Como fegt die Roma mit 2:1 beiseite und springt auf Platz vier – doch die Schlagzeile liefert der Platzwart. Gian Piero Gasperini lässt Cesc Fabregas nach Abpfiff einfach stehen, rennt ohne Handschlag in den Katakomben-Kanal. Der Spanier bleibtzurück, sichtlich geknickt. „Ich gehe immer rüber, egal ob ich gewinne oder verliere. Das macht mich traurig“, sagt er bei Sky und lächelt nicht einmal höflich.
Der rote, der gasperini die beherrschung kostete
70 Minuten lang hatte der Roma-Coach noch die Stimmbänder strapaziert, dann kassierte Wesley eine zweite Gelbe, weil er beim Konter den Arm im Gesicht des Gegners hatte. Für Gasperini war das kein Foul – für Referee Sozza schon. Mit einem Mann weniger brach die Roma ein, Fabregas wechselte clever um, und der Como drehte durch zwei schnelle Gegenstöße die Partie. Der Coach sah Rot – innerlich.
Statt sich zu fassen, schlendert er demonstrativ am Spielfeldrand vorbei, wo Fabregas bereits die Hand ausstreckt. Die Kamera fängt den Moment ein: Gasperini starrt geradeaus, beschleunigt den Schritt. Fabregas senkt den Arm, zuckt mit den Schultern. „So wurde ich erzogen“, sagt er später, „Respekt geht vor Stolz.“

Como auf champions-league-kurs – und mit moral
Dabei hätten die Lombarden fast Grund zum Feiern: 24 Punkte aus den letzten zehn Spielen, erst zwei Niederlagen im Kalenderjahr, ein Quartett aus hoffnungslosen Aufsteigern mutiert zu einem Kollektiv mit kloser Ballzirkulation. Fabregas betont, dass seine Mannschaft „nicht einmal Inter“ so dominant unter Druck gesetzt habe. Eine Spitze Richtung Meister? Vielleicht. Erstmal Richtung Europa.
Gasperini muss dagegen erklären, warum seine Roma in Phasen wie ein Kollektiv ohne Plan wirkt. Der Auswärtsfluch hält: nur ein Sieg in den letzten sieben Partien, dazu drei Platzverweise. Der Coach redet sich auf die Schiedsrichter, doch die Tabelle lügt nicht: fünf Punkte Rückstand auf die Europa-League-Ränge, acht auf Como. Die Meisterschaft ist längst Geschichte, die Stimmung wird rauer.

Fairness als lehrstück – fabregas gibt den lehrer
Am Ende bleibt eine Geschichte über Manieren. Fabregas, 37, Welt- und Europameister, demonstriert mit einer Geste, was seine Spieler täglich hören: Erst Mensch, dann Profi. Gasperini liefert das negative Beispiel, liefert den Spannungsbogen, der Medienzirkus dreht sich um die Roma-Schnauze – und vergisst fast, dass Como mittlerweile vor Atalanta, vor Lazio, vor Rom steht.
Die Saison ist noch lang, doch die Lektion steht: Wer dem Gegner die Hand verweigert, verliert doppelt – das Spiel und das Ansehen. Fabregas jedenfalls ist schon wieder auf dem Trainingsplatz, erklärt seinen jungen Wilden, warum Respekt keine Frage des Spielstands ist. Gasperini muss sich fragen lassen, ob sein nächster Handschlag wohl einen Sieg wert sein wird. Die Antwort liegt auf dem Platz – und in der Statistik: Como vier, Roma neun Punkte dahinter. Der Abstand wächst, die Moral auch.
