Ganna zerlegt diät-wahn: nutella statt excel-tabellen – und er siegt trotzdem

Filippo Ganna lacht den ganzen Ernährungszirkus aus. Sekunden nach seinem Zeitfahr-Knall auf der ersten Tirreno-Etappe schickt der Italiener eine Bombe durchs Peloton: „Ich folge keinem Plan, ich folge meinem Bauchgefühl – und das reicht für den Sieg.“

Die Zahlen sprechen für sich: 10,2 km in 11:04 Minuten, 52 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten. Doch hinter der Stopuhr verbirgt sich eine Geschichte, die jeden Sportdiätologen die Haare zu Berge stehen lässt.

Gannas anti-diät: nutella, rührei, bacon – weltmeister-mahlzeit

„Vor meiner ersten Zeitfahr-WM habe ich morgens Nutella aus dem Glas geschaufelt, danach Rührei mit Speck“, sagt der 29-Jährige und grinst das Interview-Mikro an. „Abends stand ich auf dem Podest – mit Gold um den Hals und Fett auf den Lippen.“

Diese Erinnerung ist sein Immunsystem gegen die Kalorien-Paranoia, die sich durch die WorldTour frisst. „Ich sehe Fahrer, die ihr Essen wie Chemikalien abwiegen. Drei Monate später fliegen sie vom Rad, weil sie keine Kraft mehr haben.“

Der Winterversuch, sich selbst zu zügeln, endete nach sieben Tagen im Mülleimer. „Ich wurde schwach, launisch und langsam. Also habe ich wieder gegessen – und prompt abgenommen.“ Körpergefühl 1, Excel-Tabelle 0.

Ohne psychologe, mit kumpels: die whatsapp-mental-abteilung

Ohne psychologe, mit kumpels: die whatsapp-mental-abteilung

Während andere Teams Sportpsychologen mit Bench-Press-Gehirnen bezahlen, öffnet Ganna WhatsApp. „Ich schicke meinen Kumpels eine Sprachnote: ‚Ich glaube, ich bin zu fett.‘ Sie antworten: ‚Du Idiot, du siehst aus wie ein Sessel. Fahr einfach schneller.‘“

Diese Seitenhiebe wirken besser als jedes Mentales-Training. „Sie kennen keine Watt, keine FTP, keine Makros. Sie kennen nur mein Grinsen – und das kommt zurück, wenn ich nicht den ganzen Tag über Essen nachdenke.“

Das Ergebnis: Sieben Giro-Etappensiege, zwei Weltzeitfahr-Titel, jetzt das Rosa Trikot in Tirreno. Kein Therapie-Stuhl, kein Myfitnesspal-Account.

Die botschaft an die next gen: wer hungert, verliert – und nicht nur gramm

Ganna schickt seinen Blick durchs Mixed-Zone-Gewirr, wo Junioren-Teams ihre Lunchboxen wie Heilige aufklappen. „Ich sage den Jungs: ‚Wenn ihr anfangt, Angst vor Toast zu haben, habt ihr schon verloren.‘ Der Körper ist kein Feind, er ist dein Partner. Und Partner vertraut man, statt ihn zu quälen.“

Die Uhr tickt für die zweite Etappe: 205 km, 3.500 Höhenmeter, Toskana-Hitze. Ganna schultert sein Rad, ein Schluck Cola aus der Dose des Teambusses. „Heute Abend stehe ich wieder oben – vielleicht mit Pizza auf dem Teller und 30 Sekunden Vorsprung im Klassement.“

Sein letzter Satz bleibt hängen wie ein Banner über der Fahrerlager-Piazza: „Wer zählt, verliert. Wer isst, gewinnt.“ Die Diät-Apps der Welt versagen kurz den Dienst – und irgendwo in der Lombardei öffnet ein Teenager seine erste Nutella seit Wochen.