Gak taumelt weiter: harakaté rettet die ehre, abstieg droht

Zwölf Spieltage ohne Sieg, 34 Gegentore, ein verschossener Stammkeeper: Der Grazer Athletik Klub schreibt auch in seiner zweiten Bundesliga-Saison kein Märchen, sondern einen Alptraum. Nur Ramiz Harakaté hält die Hoffnung der Rotjacken mit sieben Treffern und vier Vorlagen am Leben – doch das reicht nicht, um die Abstiegsangst zu vertreiben.

Der moment, der die saison kurz erhellte

Hätte es diesen einen Abend in Wien nicht gegeben, würde man den GAK längst als sicheren Absteiger verbuchen. Beim 2:1 gegen Rapid schlug Harakaté in der 89. Minute ein, und plötzlich glaubten selbst die Verdrossensten an das Wunder. Zwei Wochen zuvor hatte die Austria Graz mit 1:2 besiegt, der Knie-Operation von Dragovic an Harakaté folgte ein Aufschrei – das war keine Fußballnacht, das war ein Statement. Doch der Ruck währte nur kurz. Die Siege gegen Altach und Blau-Weiß Linz blieben isolierte Inseln in einem Ozean aus Unentschieden und Niederlagen.

Trainer Ferdinand Feldhofer sprach nach dem Rapid-Spiel von „Mordanschlag“, weil Dragovic sein Goldjunge mit einem Tritt außer Gefecht gesetzt hatte. Die Wut war berechtigt, denn ohne Harakaté wäre der GAK schon jetzt abgeschlagen Letzter. 50 Prozent aller GAK-Tore laufen über den 23-jährigen Franzosen, der im Sommer aus St. Pölten kam und sich sofort in die Herzen der Fans grub. Ohne ihn wäre die Qualifikationsgruppe ein Schaukelsitz ohne Seil.

Meierhofer versinkt – stolz übernimmt

Meierhofer versinkt – stolz übernimmt

Während Harakaté zur Lebensversicherung avancierte, wurde Jakob Meierhofer zur tickenden Zeitbombe. Nach elf Spieltagen hatte der einstige Nummer-eins-Goalie nur 11,8 % gehaltene Nullen vorzuweisen – Bundesliga-Bodensatz. Seit dem Frühjahrsauftakt steht Franz Stolz zwischen den Pfosten, Meierhofer sitzt auf der Bank und wartet auf einen neuen Klub. Sein Vertrag läuft 2026 aus, ein Abgang im Sommer gilt als sicher. Die Kapitänsbinde, die er einmal gegen Linz trug, wirkt heute wie ein Relikt aus vergangenen Tagen.

Die Defensive ist das eigentliche Drama. 34 Gegentore bedeuten Rang elf von zwölf, nur Blau-Weiß Linz ist noch durchlässiger. Feldhofer experimentierte mit Fünferkette, mit Doppelsechs, mit Manndeckung – nichts hält. Die Statistik ist gnadenlos: Wer so oft das Leder aus dem Netz klaubt, muss oben dreimal so oft treffen wie der Gegner. Das schafft selbst Harakaté nicht.

Qualifikationsgruppe: letzte runde, letzte kugel

Qualifikationsgruppe: letzte runde, letzte kugel

Nun geht es in die Qualifikationsgruppe, die Liga teilt sich. Der GAK muss in den verbleibenden zehn Spielen mindestens vier Siege holen, um den Relegationsplatz zu verpassen. Die Gegner kennen die Schwäche: Lange Bälle in die Rückraummitte, schnelle Umschaltmomente, Standards. Feldhofer hat die Winterpause genutzt, um ein neues Pressing zu installieren, doem die Testspiele verliefen ernüchternd: zwei Remis, eine Niederlage, drei Gegentore.

Die Fans sind gespalten. Die einen skandieren „Wir bleiben zusammen“, die anderen fordern den Rücktritt des Präsidiums. Die Zahlen sprechen gegen jeden Optimismus: Seit dem Aufstieg holte der GAK nur 19 Punkte aus 23 Spielen, das ist zweitligareife Tabelle. Und dennoch: Wenn Harakaté fit bleibt und Stolz seine Form bestätigt, ist das Kalk noch nicht komplett zu Ende. In der zweiten Liga wartet schon ein neues Stadion, doch niemand in Graz will es je bewohnen müssen.

Die Mission Klassenerhalt beginnt am Sonntag in Ried. Verliert der GAK, ist die Acht vor dem Abstieg programmiert. Gewinnt er, lebt der Traum vom dritten Jahr in der Elite – für ein paar Tage zumindest. Die Kirsche auf der Torte war der Sieg in Wien, doch der Kuchen selbst schmeckt noch bitter. Für Graz zählt nur eins: Überleben um jeden Preis. Die Uhr tickt, die Kugel rollt – und Harakaté hat noch zehn Spiele Zeit, um seine erste österreichische Saison zur Retter-Saga zu erheben.