Fulda-lehnerz schreibt pokal-märchen – ofc steht mit dem rücken zur wand

Ein Dorfclub mit 350 Mitgliedern wirft den Traditionsklub raus. Die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz schießt Kickers Offenbach mit kalter Nervenstärke aus dem Hessenpokal, während der OFC nach dem 2:3 im Elfmeterschießen nur noch die Rettung vor der Hessenliga im Blick hat.

Der pokal schlägt zurück – und trifft den ofc mitten ins herz

Ron Berlinski traf per Foulelfmeter, Jelle Goslink tankte sich 20 Minuten vor Schluss durch die ganze Abwehr – und trotzdem stehen die Kickers mit leeren Händen da. Denn als die Serie an den Punkt kam, verpassten gleich drei Offenbacher den entscheidenden Schritt Richtung Finale. Keeper Samuel Zapico streckte sich, Fulda-Lehnerz jubelte, der OFC kapitulierte im eigenen Stadion.

Die Szenerie passt wie ein punchline zur Saison: viel Einsatz, wenig Ertrag. Seit Mark Zimmermann Anfang März das Ruder übernahm, hat der OFC alle drei Pflichtspiele verloren – zwei Liga, ein Pokal. Die Tordifferenz: 3:7. Die Stimmung: auf Null.

14. Platz rettet nicht vor dem gau

14. Platz rettet nicht vor dem gau

Tabellarisch sieht es harmlos aus: sechs Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsrang, neun Spiele Restprogramm. Doch die Zahlen lügen. Hinter Offenbach lauern mit Freiberg, Großaspach und Schott Mainz drei Vereine, die ihre Siege einsammeln wie Pfandflaschen. Der OFC sammelt dagegen nur noch Frust.

Trainer Zimmermann versucht, das eigene Saison-Desaster in eine Kampfansage zu verpacken: „Wir dürfen jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken.“ Klingt nach Motivation, wirkt wie ein SOS-Signal. Denn die Mannschaft zeigt nicht nur Nerven beim Elfmeterschießen, sondern auch beim einfachen Passspiel. Die Kreisklasse-Fans von Fulda-Lehnerz sangen 90 Minuten lang „Wir wollen Frankfurt sehn“ – der OFC kann froh sein, wenn er nächstes Jahr noch Regionalliga sieht.

Der countdown läuft – und die uhr tickt laut

Der countdown läuft – und die uhr tickt laut

Am Samstag geht’s nach Schott Mainz, dann folgen die Rückspiele gegen die direkten Konkurrenten. Ein Sieg dort würde die Abstiegsfrage entscheiden, eine Niederlage könnte die Saison endgültig zur Farce werden lassen. Die letzte Hoffnung: Berlinski und Goslink haben bewiesen, dass Torgefahr vorhanden ist. Das Problem: hinten kassiert Offenbach im Schnitt zwei Gegentore pro Spiel – so viel wie kein anderes Team im unteren Tabellendrittel.

Für Fulda-Lehnerz steht am 1. Mai das Finale gegen Eintracht Frankfurt II an. Für den OFC steht dann schon wieder ein Endspiel an – nur ohne Pokal, ohne Glamour, nur mit dem kalten Schweigen des Bieberer Berges. Die Devise lautet: gewinnen oder absteigen. Mehr Dramatik geht nicht – und genau das ist der einzige Trost: wenigstens ist die Saison noch nicht vorbei. Aber die Uhr tickt. Laut.