Füchse berlin schlagen alarm: gummersbach rüttelt am hbl-thron

Der VfL Gummersbach ist zurück – und das merkt der Meister. Die Füchse Berlin verloren dort das Hinspiel, spüren den Atem des Traditionsklubs im Nacken und schicken schon jetzt höchstes Lob statt Warnungen. Warum? Weil Alex Dujshebaev kommt, weil Christoph Schindler längst liefert, weil die Schwalbe Arena trotz 4 000 Plätzen ein Pulverfass wird.

„Die sind schon ein konkurrent“

Nicolej Krickau spricht es aus, was in Berlin niemand laut sagen wollte: Gummersbach liegt nur drei Punkte hinter den Füchsen, hat das bessere Restprogramm und damit die Champions-League-Tür schon 2024 offen. Der dänische Coach kennt die Zahlen: 14 Siege, zwei Remis, fünf Niederlagen – so lautet die Bilanz seit Winterpause. „Fast jedes Jahr ein Schritt nach vorne“, sagt er, „ich sehe keinen Grund, warum sie das nicht fortsetzen.“

Grund genug, die Verpflichtung von Dujshebaev als Startschuss für ein anderes Format Handball zu lesen. Der spanische Weltmeister bringt 93 kg Druck hinter den Rückraum, spielt mit Tempo statt Kraft, eröffnet Kreis und Außen neu. „Das wird ein anderer Typ von Handball“, sagt Krickau – und klingt fast wie ein Fan.

Christoph schindler bekommt die eins

Christoph schindler bekommt die eins

Bob Hanning zückt die rote Karte: „Glatte Eins für Schindler.“ Der Berliner Geschäftsführer lobt nicht nur den Transfer, sondern die Architektur. „Er hat einen unführbaren Klub geführt und entwickelt – mit Kontinuität und Augenmaß.“ Das klingt nach Schulzeugnis, ist aber die nüchterne Analyse eines Managers, der weiß: Wer aus dem Gröbsten herauskommt, ohne Etatbrüche und ohne Personalchaos, der baut nicht nur ein Team, sondern eine Marke.

Die Zahlen bestätigen ihn. Ticket-Nachfrage: plus 38 % gegenüber Vor-Corona. Sponsoreneinnahmen: erstmals wieder zweistellig in Millionenhöhe. Jugendabteilung: 30 % Bundesliga-Minuten aus eigener Schmiede. „Der Klub hat es geschafft, in die Phalanx der Großen einzubrechen“, sagt Hanning – und meint damit nicht nur Tabellenplätze, sondern Köpfe.

Die arena wird zur bremse

Die arena wird zur bremse

Einzig die Schwalbe Arena hält die Euphorie im Zaum. 4 000 Zuschauer reichen für Liga-Hit, nicht für Dau-Boom. „Hätten sie es vorher gewusst, hätten sie größer gebaut“, sagt Hanning halb scherzhaft, halb ökonomisch. Denn wer für Spiele in die Kölner Lanxess oder die Dortmunder Westfalenhalle ausweicht, verkauft Kultur statt Heimvorteil – und verschenkt Einnahmen. Die Loge kostet 220 Euro, die Stehplatzbörse bereits 70. Mehr geht nur mit neuer Halle, nicht mit höheren Preisen.

Doch selbst das bremst den Aufbruch nicht. Die Fans stehen Schlange, die Trikots sind ausverkauft, die Uhr tickt. Am 23. April, 19 Uhr, gastieren die Füchse erneut in der Schwalbe Arena – und wissen: Verlieren ist keine Option, sondern ein Vorgeschmack auf 2025.

Christian Schneider