Fribourg verspielt heimvorteil – biasca droht playoff-aus

Fribourg wollte die Post mit Kanonenkugeln eröffnen, kassierte stattdessen ein Eigentor in Serie. 2:5 gegen Rapperswil, Tribüne verstummt, Saison plötzlich auf Messers Schneide. Und das war noch nicht alles.

Attilio biasca – vom aufsteiger zum patienten

Attilio biasca – vom aufsteiger zum patienten

Die Saison war seine Visitenkarte: 19 Punkte, unermüdlicher Forecheck, Tamedia-Umfrage unter 26 Coaches und Captains – alle wählten den 23-jährigen Zürcher zum „Rookie des Jahres“. 37 Minuten später, im zweiten Drittel des ersten Playoff-Spiels, rutschte er harmlos in die Bande, blieb liegen, tapste zur Kabine und kehrte nicht zurück. Knapp zwölf Minuten Eiszeit, danzt Schwarz. Keiner im Stadion wusste, ob es Knie, Schulter oder Schädel traf. MySports berichtet nur von „Verdacht auf längere Pause“. Roger Rönnberg sprach nach dem Spiel von „einem weiteren Stich ins Herz“, mehr nicht.

Die Herzblut-Fraktion der Saanestädter ist ohnehin geschwächt. Sandro Schmid, Top-Scorer der Qualifikation, fehlt seit Wochen mit Handgelenks-Bandagen. Nun also Biasca, der in genau den Szenarien unverzichtbar ist, in denen Rapperswil die Scheibe entlang der Bande frisst und Fribourgs Break-out ins Leere läuft. Ohne ihn fehlt die erste Jagd-Maschine, die den Gegner in die eigte Hälfte einsperrt. Die Lakers nutzten die Lücke gnadenlos: fünf Tage, davon zwei in Überzahl, und ein Tor nach Ballverlust direkt vor dem eigenen Gehäuse.

Die Zahlen sind lauter als jedes Coach-Interview: Fribourg dominierte Schüsse (35:27), verlor aber die Entscheidungen vor dem Tor 0:3. Special Teams? 0/4 statt 2/5. Und die Serie? Erstmals seit 2019 wieder mit 0:1 gestartet. Die Psychology der Playoffs kennt kein Moral-Update: Ein Verlust im zweiten Heimspiel am Sonntag würde den Saanestädter in die Fremde drängen – mit 0:2 im Gepäck und ohne zwei Topkräfte.

Die Lakers hingen in der Kabine „No panic, we skate“ ans Whiteboard. Ihr Coach, Colin Muller, strahlte: „Wir wussten, dass sie emotional starten. Wir haben gewartet, bis ihre Beine schwer werden.“ Genau das passierte im Schlussdrittel, als Rapperswil zwei Konter in 68 Sekunden versenkte und die Partie damit entschied.

Die nächsten 48 Stunden entscheiden über die Richtung der Serie. Biasca wird am Samstag MRT-bildgebend untersucht; ein Ergebnis wird erst wenige Stunden vor dem Face-off am Sonntag (17.00 Uhr) erwartet. Laut internen Angaben fürchtet der Medizinstab einen Innenband-Teilriss – sechs Spiele, vielleicht acht. Fribourg kann sich keinen zweiten Biaska-Ausfall leisten, schon gar nicht gegen einen Gegner, der in der Qualifikation dank Comebacks die Playoffs erreichte und nun den Schwung mit in die Postseason nimmt.

Die Saanestädter Fans skandierten nach dem Abpfiff „Alle zusammen“, doch die Stimmen gingen bereits in der Kehle kaputt. Die Serie ist jung, die Verletzungsliste aber schon lang. Wenn Biasca fehlt, müssen jüngere Center wie Schaller oder Rapacci double-shiften – und genau das ist das Muster, das Rapperswil in der Vergangenheit ausgenutzt hat: Tempo erhöhen, Wechsel forzieren, Lücken finden. Fribourg hat 48 Stunden, die taktische Karte neu zu mischen. Sonst wird aus dem Traum vom Halbfinale schnell ein Albtraum mit Ansage.