Freiburg verspielt in frankfurt alles – und jetzt?

Der SC Freiburg fuhr nach Hause, ohne Punkte, aber mit zwei Bildern im Kopf, die sich wie Scherben in die Synapsen bohren. Bild eins: Igor Matanovic, 45.+1, Kopfball, Innenpfosten, statt 1:0 ein Handschlag mit Keeper Zetterer. Bild zwei: Matthias Ginter, 64., ein Pass in die Mitte, Frankfurt kontert, 0:1. Von da an war die Partie gelaufen, am Ende steht 0:2. Die Europa-League-Träume dampfen noch, aber sie sind ein gutes Stück entfernter.

Die xg-lüge und ihre bittere wahrheit

Die Statistik lügt nicht: Freiburg erarbeitete sich 1,9 erwartete Treffer, Frankfurt 1,4. Trotzdem steht in der Spalte „Tore“ eine Null. Julian Schuster sprach vom „symptomatischen“ Moment, als der Ball nicht über die Linie wollte. „Wir haben sie unsicher gemacht, aber unsere Chancen versenkt wie ein Anfänger im Pokal.“ Vincenzo Grifo scheiterte kurz nach dem Wechsel an Zetterers Reflex, Matanovic traf nur das Aluminium. „Da muss man gnadenlos zuschlagen“, sagte der Coach, „sonst kassiert man den Gegentreffer mit dem nächsten Pass.“

Genau das passierte. Ginters Fehlpass war keine Katastrophe, sondern eine Einladung. Eintracht-Coach Dino Toppmöller hatte die Lücke erkannt, Eliesse Ben Segir legte quer, Hugo Ekitike schob ein. Frankfurt hatte nicht mehr Druck, aber mehr Klinik. Freiburg antwortete mit Aufregung, nicht mit Toren. Die zweite Pleite in Serie lässt die Breisgauer auf Platz acht zurück, drei Punkte hinter Frankfurt, sieben hinter Bayer Leverkusen. Die direkte Europa-League-Quali rückt in ferne Ferne.

Nächste woche kommt leverkusen – und der selbstbetrug endet

Nächste woche kommt leverkusen – und der selbstbetrug endet

„Bis zum letzten Spiel ist alles offen“, donnerte Matanovic in die Mikros, doch die Stimme überschlug sich. Die Fakten sind hart: Seit der Winterpause hat Freiburg nur eines der letzten fünf Auswärtsspiele gewonnen, die Torausbeute sank auf 0,8 pro Partie. Gegen das Top-Sechs-Team Leverkusen droht das nächste Reality-Check. Schuster will „voller Selbstbewusstsein angreifen“, aber Selbstbewusstsein allein versenkt keine Bälle.

Die Fans auf der Gästeblock-Tribüne sangen noch „Europa wir kommen“, doch die Stimmen klangen wie ein gebrochenes Versprechen. Wer Chancen wie diese liegen lässt, darf sich nicht wundern, wenn die Saison am 34. Spieltag mit einem Auswärtsspiel in Bochum endet – und nicht mit einem Hotelcheck-in in Mailand oder London. Die Kampagne „Das tut im Moment am ärgsten weh“ hat jetzt ein Motto, das bis Mai nachhallen wird.