Forster stolpert über ihren eigenen slalom und verpasst historisches triple

Die Monoski-Königin hatte alles im Griff – bis zu dem Tag, an dem der Slalom sich gegen sie wandte. Anna-Lena Forster verpasst in Cortina d’Ampezzo die Gold-Hattrick-Inszenierung und muss sich in ihrer Paradedisziplin mit Rang vier begnügen. Acht Hundertstel fehlen zur Bronze, 0,43 Sekunden auf den Triumph. Die 30-Jährige verlässt Italien als Doppel-Weltmeisterin, aber mit einem Kratzer im Mythos.

Der fehler, der forsters traum zerbröseln ließ

Schon nach dem ersten Lauf lag sie 1,58 Sekunden zurück – eine Ewigkeit im Slalom. Im zweiten Durchgang preschte sie los, holte fast ein halbes Dutzend Zehntel auf, dann rutschte das Innenskii im Mittelteil weg. Die Kante griff nicht, der Rhythmus brach. „Ich hab’s gespürt, sofort“, sagte sie später, „da war nichts mehr zu retten.“

Die Siegerin kommt aus China: Zhang Wenjing rutscht vom zweiten auf den ersten Platz und feiert ihren ersten Paralympics-Titel. Die Finnin Nette Kiviranta sichert sich Silber, die Spanierin Audrey Pascual Seco, sonst die Super-G-Dominatorin, muss sich mit Bronze begnügen. Forster bleibt außerhalb des Podestes – zum ersten Mal seit Pyeongchang 2018.

Zahlen, die wehtun: zwölf medaillen, aber kein slalom-gold

Zahlen, die wehtun: zwölf medaillen, aber kein slalom-gold

Mit 12 Medaillen bei Winterspielen (6× Gold) ist sie weiterhin die erfolgreichste deutsche Skirennfahrerin. Hätte sie heute gewonnen, hätte sie Anna Schaffelhubers Rekord von 13 Goldern eingestellt. Stattdessen bleibt die Bestmarke unangetastet – und Forster muss sich fragen, ob der flache Cortina-Hang ihr neuer Nemesis ist.

Die Deutschen verlassen bislang mit drei Medaillen die Spiele, alle von Forster. Die Fahnenträgerin Andrea Rothfussbeendet ihr letztes Rennen auf Rang sieben, 5,29 Sekunden hinter der übermächtigen Russin Warwara Worontschinkina. Im Visier der Sehbehinderten landet Maya Fügenschuh auf Platz zehn – der Österreicherinnen-Dauerregen geht weiter: Veronika Aigner holt Gold Nummer vier.

Was bleibt, ist die erkenntnis: perfektion ist vergänglich

Was bleibt, ist die erkenntnis: perfektion ist vergänglich

Forster wird abreisen mit Gold von der Abfahrt, Gold vom Riesenslalom, Silber aus der Super-Kombination – und mit der Gewissheit, dass selbstherrlich die Königsdisziplin sich nicht kaufen lässt. Der Slalom hat sich revanchiert für all die Jahre, in denen sie ihn dominierte. Die nächsten Spiele sind vier Jahre entfernt. Bis dahin bleibt die Frage: Schafft sie den Sprung zurück auf die oberste Stufe – oder war dies das Ende einer Ära?