Nawrath versenkt sich im schneechaos von otepää – lägreid feiert doppelschlag

Sechs Fehler, drei Strafrunden, ein einziger Kopfschüttler: Philipp Nawrath verwandelte seinen Traumsprint von Donnerstag in einem windumtosten Horrorlauf und rutschte in der Verfolgung auf Platz acht ab. Der 33-Jährige hatte 18 Sekunden Rückstand auf Sturla Holm Lägreid begonnen – und schenkte dem Norweger am Ende mehr als drei Minuten ein.

„Eines der härtesten rennen meiner karriere“

Die Sonne blitzte, doch der Wind pfiff. 14 Grad, Böen bis 50 km/h, ein Schießstand, der sich wie ein Kreisel anfühlte. Nawrath stand nach dem ersten Stehendanschlag mit drei Fehlern da, als hätte ihm jemand die Kugel aus dem Lauf gezogen. „Die Böen kamen quer, die Visiere zitterten, und ich wusste: Jetzt oder nie“, sagte er anschließend mit heiserer Stimme. Das „nie“ kam schneller gedacht.

Hinter ihm lief Justus Strelow wie ein Berserker. Vier Fehler, aber ein Antritt, als hätte er Granit im Gepäck: 17 Plätze gutgemacht, Rang 24. David Zobel folgte als 38. mit ähnlicher Aufholjagd. Die anderen deutschen Farben – Horn, Pfund, Fratzscher – versackten im Mittelfeld, ohne dass sich ihre Namen auch nur eine Sekunde lang nach vorne bewegten.

Lägreid nutzt das chaos, jacquelin räumt silber ab

Lägreid nutzt das chaos, jacquelin räumt silber ab

Während Nawrath an der Scheibe verzweifelte, feuerte Sturla Holm Lägreid erneut ohne Strafrunde – und lachte sich ins Ziel. 2:46,7 Minuten später folgte Émilien Jacquelin mit fünf Fehlern, aber mit der Gelassenheit eines Mannes, der weiß, dass Silber in Otepää immer noch Gold wert ist. Martin Uldal komplettierte das norwegisch-französische Podest.

Die Statistik lügt nicht: 112 Schießfehler im Gesamtfeld, fast jeder zweite Schuss eine Wette gegen den Wind. Die Athleten nannten es „Lotterie“, die Trainer „Katastrophe“, die Zuschauer „Spektakel“. Für Nawrath bleibt die bittere Erkenntnis: Ein Sprint ohne Fehler reicht nicht, wenn die nächste Bö schon wieder durchs Visier pfeift.

Am Nachmittag greifen die Frauen nach – Janina Hettich-Walz will den vierten Platz vom Sprint wiederholen. Sonntag dann der Knockout: Single-Mixed um 12.35 Uhr, Mixed-Staffel um 14.40 Uhr. Wer in Estland noch steht, hat die Strecke gemeistert – und vielleicht auch den Wind.