Forster eröffnet paralympics mit gold in cortina: fünf hundertstel und ein traumstart
Fünf Hundertstel – das ist nichts, das ist ein Atemzug. Genau diesen Atemzug lang holte Anna-Lena Forster sich am Samstag in Cortina d’Ampezzo ihre erste Abfahrts-Goldmedaille, den ersten deutschen Sieg der Winter-Paralympics 2026. 1:25,79 Minuten brauchte die Radolfzellerin, um dem deutschen Team den perfekten Auftakt zu bescheren und ihre persönliche Titellücke zu schließen. Peking war Silber gewesen, jetzt steht Gold im Monoski-Klassiker.
Die Piste im Tofane Alpine Skiing Centre war schon leicht ramponiert, Tauwetter hatte die Kanten abgeschliffen. Genau diese Bedingungen nutzte Forster, um Spanien’s Weltcup-Spitze Audrey Pascual Seco um fünf Hundertstel zu schlagen. Silber für Spanien, Bronze ging an die Chinesin Sitong Liu, die 5,48 Sekunden zurücklag – eine halbe Ewigheit im Sitzen-Ski.
Sturz der favoritin und ausfall der titelverteidigerin
Die erste Starterin, Weltmeisterin Barbara van Bergen, landete im Fangnetz. Sie kam noch ins Ziel, doch ihre Medaillen-Chancen zerbarsten mit dem Aufprall. Titelverteidigerin Momoka Muraoka verzichtete komplett auf einen Start – der Schlüsselbeinbruch vor Wochen nagt noch an der Japanerin. Forster nutzte die Gunst der Stunde und schraubte ihre persönliche Medaillensammlung auf zehn Stück. Fehlen noch zwei Siege, um Anna Schaffelhuber einzuholen. Das Rennen ist offen.
Deutschland schickte sonst niemanden in die Abfahrt. Die Strategie: Kräfte sparen für Super-G, Super-Kombi, Riesenslalom und Slalom. Forster selbst nannte den Slalom ihre „Paradedisziplin“. Dort will sie nachlegen. Noch vier Starts, noch vier Chancen.

Wicker beginnt mit bronze, masters bleibt unerreicht
Parallel sicherte sich Anja Wicker im Biathlon-Sprint der sitzenden Klasse über 7,5 km die zweite deutsche Medaille des Tages. Zwei Schießfehler, 1:11,1 Minuten Rückstand – reichte für Bronze hinter der übermächtigen Oksana Masters. Die US-Amerikanerin blieb fehlerlos, sammelte ihren zehnten Paralympics-Sieg und die 20. Medaille. Gesundheitsprobleme? Vergessen. Andrea Eskau, neunte Olympia-Teilnahme, blieb zwar ohne Fehler, aber mit 2:35,7 Minuten Rückstand außerhalb des Podests.
Wicker wechselte erst im Dezember den Schlitten, arbeitet mit der FES-Entwicklungsabteilung. Die Belohnung folgte binnen Wochen. Am Sonntag geht’s weiter mit dem Einzel, dann Sprint-Verfolgung, dann Skilanglauf. Die 34-Jährige will mehr als nur Bronze. Die Titeljagd läuft auf Hochtouren.
Deutschland ist damit nach Tag eins bei zwei Medaillen – und bei voller Ausdauer. Die Klingen sind geschliffen, die Pisten noch lange nicht befahren. In Mailand und Cortina zählt jetzt jeder Hundertstel.
