Formel 1: nachhaltigkeit wird zum neuen wettbewerbsvorteil
Die Königsklasse des Motorsports steht vor einer Zäsur. Während die Formel 1 globaler, jünger und für neue Märkte attraktiver denn je ist, muss sie gleichzeitig beweisen, dass Wachstum und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können. Ellen Jones, Head of Sustainability der F1, und Louise Young, Chief Race Promotion Officer, lieferten auf dem Sports Summit Madrid eine klare Botschaft: Expansion bedeutet nicht nur mehr Rennen, sondern vor allem mehr Verantwortung.
Die rechnung ist klar: weniger emissionen, mehr effizienz
“Unser Ziel ist es, zu zeigen, dass die Formel 1 wachsen und gleichzeitig gut tun kann“, erklärte Jones. Die Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks ist dabei kein Lippenbekenntnis, sondern ein zentraler Bestandteil der Strategie. In enger Zusammenarbeit mit Teams, Veranstaltern und Rennstrecken werden “nachhaltigere Veranstaltungen” angestrebt. Die F1 konnte ihre Emissionen seit 2018 bereits um 35% senken und hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt, diesen Wert bis 2030 auf 50% zu reduzieren. Das erfordert einen Umbau des gesamten Systems: ein effizienterer Rennkalender mit kürzeren Strecken, der Einsatz nachhaltiger Kraftstoffe und innovative Logistiklösungen sind nur einige der Maßnahmen.
“Wir haben jetzt alternative Energiequellen für Land, See und Luft“, betonte Jones. Die Technologie spielt dabei eine Schlüsselrolle, nicht nur für die Leistungssteigerung der Boliden, sondern auch für die Transformation des gesamten Ökosystems.

Mehr als nur neue rennstrecken: strategische expansion
Louise Young machte deutlich, dass das globale Wachstum der Formel 1 nicht zwangsläufig mit dem Bau neuer Rennstrecken einhergeht. “Es geht nicht immer darum, eine Flagge in einem neuen Land zu hissen“, so Young. Die USA bleiben mit drei Rennen weiterhin ein strategischer Schwerpunkt, während China trotz seiner langen Tradition im Kalender weiterhin Entwicklungspotenzial bietet. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Spanien.
“Spanien befindet sich in einer sehr glücklichen Lage“, lobte Young das Land, das in den kommenden Jahren zwei Grands Prix austragen wird. Mit über 50 ausgetragenen Grands Prix und einer reichen Motorsportgeschichte nimmt Spanien eine privilegierte Position ein. Madrid wird dabei zum Vorzeigebeispiel für ein modernes, stadtverbundenes Rennwochenende. “Madrid wird zeigen, wie eine Stadt mit einem Grand Prix verbunden sein kann und umgekehrt“, erklärte Young.

Die f1 als inspirationsquelle – und fan-magnet
Die Formel 1 strebt danach, mehr zu sein als nur ein Sport. “Wir wollen im Zentrum der Inspiration stehen“, sagte Young und nannte Las Vegas als Beispiel für die Schaffung kultureller Erlebnisse rund um die Rennen. Dabei soll die Kernidentität des Motorsports nicht verloren gehen: “Der Sport steht im Mittelpunkt. Er ist die Basis, das Erbe.“
Der Wandel wird vom Publikum getragen. Besonders der Anstieg an jungen Frauen und jüngeren Fans zeigt, dass die F1 den richtigen Weg geht, um “Fans der Zukunft” anzusprechen. Jones ergänzte, dass die Fans sich zunehmend für Nachhaltigkeitsthemen interessieren: “Sie wissen mehr über unsere Nachhaltigkeitsinitiativen als ein durchschnittlicher Fan, der sich nicht für den Sport interessiert.”
Die Formel 1 drückt weiterhin aufs Tempo, jedoch nicht nur auf der Strecke. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, eine nachhaltige Zukunft für den Sport zu schaffen – eine Zukunft, die nicht nur den Fans, sondern auch dem Planeten zugutekommt. Die Bilanz für 2023 zeigt bereits jetzt, dass die Reduktion der CO2-Emissionen um 27% im Vergleich zum Vorjahr erreicht wurde – ein deutliches Zeichen dafür, dass die F1 auf dem richtigen Weg ist.
