Flensburg schlägt skanderborg und rückt dem viertelfinale unerbittlich nahe

38:32 in Skanderborg – Flensburg-Handewitt hat sich mit einer furiosen Schlussphase nicht nur Luft im Hinspiel verschafft, sondern vor 200 mitgereisten Fans die Weichen für das Viertelfinale der European League gestellt. Die SG nutzte den dänischen Zwischenrund-Zweiten als Schlagzeuger, um das eigene Tempo vorzugeben.

Zeitlupe frisst tor – und niemand jubelt mit

Die TV-Technik lieferte sich einen Wettlauf mit dem Spiel: Kaum hatte Kent Robin Tönnesen zum 2:1 getroffen, blendete der Dyn-Sender die Wiederholung des dänischen 1:1 ein. Die 47-Sekunden-Führung der Gäste verschwand in der digitalen Versenkung. Die Arena erfuhr erst in der Nachholung, dass Flensburg schon wieder vorne lag. Ein Kuriosum, das die Flensburger Anhänger mit einem Spottgesang quittierten.

Nach Viertelstunde blieb Tönnesen nach einem Foul liegen, rappelte sich aber nach Minuten der Behandlung wieder auf. Der Norweger sollte später noch wichtige Impulse setzen. Ohnehin agierte die SG auch ohne den verletzten Star Simon Pytlick, der wegen einer Bauchmuskelzerrung nur Ersatzbank-Zuschauer war. Trainer Ales Pajovic schonte seinen Landsmann für die englischen Wochen, die kommen werden.

Die erste Halbzeit endete mit 18:15 – ein Vorsprung, der in der 41. Minute wegwar. 22:22, erstmals seit der siebten Minute Gleichstand. Das Spiel kippte, das Publikum tobte. Doch Flensburg schaltete einen Gang höher. Nach dem 25:25 folgte ein 7:2-Lauf. Johannes Golla warf neun seiner insgesamt neun Treffer in diesem Endspurt, Marko Grgic kam auf acht. Benjamin Buric parierte acht Mal in den letzten zehn Minuten – drei davon im Sechsmeter-Wurf. Die Schlussphase war eine Demonstration, keine Rettung.

180 Kilometer machtdemonstration

180 Kilometer machtdemonstration

Die Entfernung zwischen beiden Städten entspricht einer Autobahnpause von zwei Stunden. Die mitgereisten 200 Flensburger machten daraus eine Kulisse, die selbst dänische Kommentatoren als „kleines Playoff-Wunder“ bezeichneten. Ihr Gesang übertönte die Heimkurve, ihre Fahnen verdrängten die roßweiße Kulisse. Die SG-Fans wissen: Wer in Skanderburg gewinnt, der gewinnt auch die Serie. Statistik: 11 von 12 Malen seit 2019.

Das Rückspiel steigt kommenden Dienstag um 18.45 Uhr in der Flens-Arena. Dyn überträgt live. Für Flensburg reicht bereits ein Sieg mit fünf Toren Differenz, um den Viertelfinal-Traum zu festigen. Die Mannschaft hat mehr als nur ein Bein im Viertelfinale – sie hat bereits das ganze Beinbagage durch den dänischen Schleier gestreckt.