Flamengo feuert filipe luis nach 8:0-sieg – libertadores-sieger raus aus rio
Ein Achter nach dem anderen schlug Filipe Luis’ Flamengo ins Netz von Madureira, die Anhänger feierten sich und ihren frisch gebackenen Taca-Guanabara-Champion. 34 Minuten später saß der Coach auf dem Präsidium, hörte José Botos „Vielen Dank für Ihre Dienste“ und wusste: Das 8:0 war das letzte Kapitel seiner Trainerkarriere im Maracanã.
Der pokal stand noch auf dem rasen, da klingelte schon das handy
Die Trennung ist so brasilianisch wie Samba und Selbstzweifel: Sie erfolgt nach dem größten Erfolg, nicht trotz ihm. Filipe Luis gewann seit September 2024 fünf Titel – Libertadores, Carioca, Recopa Carioca, Campeonato Carioca und nun den Guanabara-Pokal – und wird trotzdem vor dem Ende der Saison abgelöst. Die Begründung der Bosse: zu viele Finalpleiten (Supercopa und Recopa Sudamericana) und ein maues Serie-A-Startfenster – vier Zähler aus drei Spielen, Platz elf.
Doch die Zahlen lügen nicht, sie erzählen nur die halbe Wahrheit. Flamengo gab in diesem Zeitraum 190 Millionen Euro für neue Spieler aus, mehr als jeder andere Klub des Kontinents. Bei diesem Etappenziel lautet die Devise „Titel oder Tod“. Und der Tod kam per WhatsApp, wie brasilianische Medien übereinstimmend berichten: Kurz nach Mitternacht schickte Boto die Nachricht an die Coaching-Truppe – mit Abfindung, aber ohne Warnschuss.

Der kurze weg vom held zum fall
Filipe Luis war nie ein Trainer im klassischen Sinn. Er war die Verkörperung des Klubs, ein ehemaliger Linksverteidiger, der in Europa bei Chelsea und Atlético Madrid gelernt hatte, wie man gewinnt – und wie man mit Druck umgeht. Als er im November die Libertadores holte, schien er unantastbar. Die Rückkehr nach Rio glich einer Heimkehr des Königs. Doch der Thron war wackelig. Intern kritisierte die Direktion seine zu offensiven Aufstellungen in den Finals, extern spuckten die Ultras nach dem 0:1 gegen Lanus erstmals „Fora Filipe“-Rufe.
Die Entscheidung fiel nicht nach dem 2:3 in der Verlängerung, sondern nach dem 8:0. Warum? Weil der Klub die Taca Guanabara nur noch als Fußnote wertet – der Pokal ist Pflicht, nicht Prestige. Die echten Gütesiegel heißen Brasileirão und Copa Libertadores. Beide sind in Gefahr, also flog der Held.

Nächster halt: ein leeres bankhaus
Mit Ivan Palanco und Diogo Linhares räumt Flamengo die komplette Fitness- und Co-Trainerriege aus. Am 12. März erwartet Cruzeiro, Tabellenvorletzter und noch sieglos, einen Gegner ohne Rangfolge auf der Bank. Die Kandidatenliste kursiert schon: Dorival Júnior, Abel Braga, der Ex-Barca-Coaches Jordi Roura. Kein Name wirft mehr als ein müdes Lächeln auf – denn jeder weiß: In Rio zählt nur der nächste Titel, nicht das letzte 8:0.
Filipe Luis wird sich verabschieden, mit einem trockenen Händedruck und der Erkenntnis, dass in Brasilien nicht der Sieg zählt, sondern der Zeitpunkt danach. Sein Abschiedsgespann: fünf Pokale, zwei verlorene Finals – und eine Frage, die niemand laut stellt: Warum feiern wir eigentlich den Coach, der uns alles gab, und schicken ihn vor dem Dessert nach Hause?
