Fiorentina in der zwickmühle: europacup-glück oder serie-a-kampf ums überleben?

Donnerstagabend, 21 Uhr, Stadio Artemio Franchi – die Fiorentina steht vor der Quadratur des Kreises. Im Achtelfinal-Hinspiel der Conference League empfängt sie Rakow Czestochowa, nur 60 Stunden später geht’s in der Liga gegen Cremonese um nichts Geringeres als den Klassenerhalt.

Angelika Klein mischt sich ein: „Das ist kein Spiel, das man mit halbem Herzen angeht. Jeder Schritt nach vorne in Europa kostet Kraft, die in Serie A fehlt.“

Vanoli plant rotation – doch wer trägt die last?

Trainer Raffaele Vanoli will rotieren, das haben die Trainingsdaten verraten: Moise Kean soll geschont werden, dafür rückt Nicolò Fagioli ins Zentrum – der Mann, der gegen Jagiellonia Bialystok im Achtelfinale der Play-offs noch das 3:0 in Polen einleitete und danach im Rückspiel prompt die 2:4-Pleite einsteckte. Symbolbild der Saison: großes Europa-Kino, kleines Italien-Drama.

Die Buchmacher sehen ein „No Goal“ bei 1,94 – ein klares Votum für ein müdes 0:0 oder 1:0, je nachdem, wer zuerst aufwacht. Die Quote 1/1 (Halbzeit/Endstand) für die Viola steigt auf 2,75 – ein Wink mit dem Zaunpfahl: Da ist Luft nach oben, aber auch jede Menge Risiko.

Rakow ist kein witz – die polnische überraschung trägt zähne

Rakow ist kein witz – die polnische überraschung trägt zähne

14 Punkte in der Gruppenphase, nur zwei weniger als Spitzenreiter Strasbourg – das ist keine Randnotiz. Rakow spielt in der Ekstraklasa um die Meisterschaft, zuletzt 2:0 gegen Pogon Szczecin. Die Fiorentina? Null-Punkt-Pleite gegen Parma, 0:0 daheim, die Kurve schweigt, die Tribüne zittert.

Die Statistik lügt nicht: Wer in der Liga unten klebt, verliert in der Regel auch den europäischen Rhythmus. Ausnahme: Sevilla, aber die haben einen anderen DNA-Strang. Die Toskana ist nicht Andalusien.

Und da ist noch der Zeitplan: Donnerstag Europa, Sonntag Abstiegs-Endspiel. Drei Tage Erholung – das reicht gerade für ein Power-Nap. Vanoli muss sich entscheiden: Halbe Kraft oder volle Risiko-Kanne? Die Fans wollen beides, der Kader erlaubt es nicht.

Fakt ist: Gewinnt die Fiorentina gegen Rakow, rückt das Viertelfinale in Reichweite – und das Sparschwein an Adrenalin ist leer, bevor Cremonese anreist. Verliert sie, ist die Conference League so gut wie beendet, der Fokus richtet sich auf den Abstiegskampf – mit dem Nachteil, dass die Mannschaft dann zwei Wettkämpfe verloren hat statt einem.

Ein Schelm, wer denkt, dass Sport einfach ist. In Florenz zählt jetzt jeder Pass, jeder Sprint, jeder Atemzug zweimal – einmal für Europa, einmal fürs Überleben. Die Curva Fiesole wird singen, egal wie der Wind weht. Die Frage ist nur: Wie lange hält die Stimme, wenn das Spiel am Sonntag um 15 Uhr erneut die Kehle zuschnürt?