Filippo ganna pulverisiert die uhr: 56,8 km/h-sprint in camaiore
12:08 Minuten. Mehr brauchte Filippo Ganna nicht, um die Tirreno-Adriatico mit einem historischen Schlag aufzumachen. 11,5 flache Kilometer in Lido di Camaiore, Tempo 56,8 Stundenkilometer – das ist kein Rennen, das ist ein Statement. Kein Fahrer war je schneller bei der „Due Mari“, die seit 1966 über die Straßen Italiens zieht.
Der 29-jährige Piemontese von Ineos Grenadiers schob sich selbst aus dem Rekordbuch und schrieb sich neu ein. Vorjahreszeit: 12:17 Minuten. Jetzt neun Sekunden schneller, bei gleicher Strecke. Die Zahlen klingen wie aus einem Windkanal, sind aber blanker Körper und blanker Ehrgeiz.

Hinter ganna nur teamgefährte arensman – und viele fragen
Thymen Arensman, niederländischer Neuzugang, folgt 22 Sekunden später. Eine halbe Ewigkeit im Kampf gegen die Uhr. Platz drei geht an Rémi Cavagna, doch die wahre Geschichte steht auf dem Podium nicht: Ineos dominiert mit Joshua Sheffield auch Rang vier, setzt damit drei Fahrer in die Top-Five und zeigt, warum die Briten die Chronometer-Saison 2024 schon im Winter eröffnet haben.
Ganna feiert seinen 38. Profisieg – 31 davon in Einzelzeitfahren. Die Statistik wirkt monströs, doch der Montag wird menschlich. Denn morgen endet die zweite Etappe in San Gimignano, und dort wartet ein fünf Kilometer langer Schotterpass in den letzten 25 Kilometern. Kein Parcours für einen Zeitfahrgiganten mit 85 Kilo Muskelmasse, sondern für Kletterer, die auf Treibsand spielen.
Die blaues Trikot – maglia azzurra – sitzt trotzdem auf seinen Schultern. Ganna muss verteidigen, was er in Rekordzeit erobert hat. Die Frage lautet nicht, ob er die Uhr schlägt, sondern ob die Toskana ihn schlägt.
Die 61. Tirreno-Adriatico hat ihren König gefunden. Ob sie ihm auch die Krone lässt, entscheid sich auf Staub und Steinen.
