Ferrari verliert turbo-vorsprung: neue regeln gefährden wm-ambitionen
Der vermeintliche Trumpf für Ferrari in der Formel-1-Saison 2026 – die blitzschnellen Starts – könnte schneller verschwinden, als die Roten es sich erhofft haben. Was als 'Mini-Turbo' gefeiert wurde und Charles Leclerc und Lewis Hamilton zu PlayStation-ähnlichen Beschleunigungen verhalf, steht nun plötzlich im Feuer des Reglements.
Fia greift ein: sicherheitsbedenken stoppen ferrari's start-dominanz
Nach den ersten Rennen der Saison und intensiven Diskussionen innerhalb der FIA und der Formel-1-Teams wurden die Regeln geändert, um den anderen Teams die Möglichkeit zu geben, ihre Motoren im Hinblick auf den Start zu optimieren. Frederic Vasseur, Teamchef von Ferrari, zeigt sich enttäuscht, betont aber, dass die Ingenieure von Anfang an auf diese Entwicklung vorbereitet waren. "Die Frage war: Wollen wir eine Zehntel pro Runde gewinnen oder fünf Positionen beim Start verlieren? Die Antwort war eindeutig: Ein guter Start ist entscheidend," erklärt Vasseur in The Race.
Die anderen Teams alarmierten sich erst, als die italienischen Boliden ihre Überlegenheit beim Start demonstrierten. Vasseur erinnert daran, dass er das Thema bereits vor Monaten mit der FIA und den Motorenherstellern besprochen habe. "Die Antwort war immer gleich: Das Auto muss nach dem Reglement konstruiert werden, nicht umgekehrt. Dann hat sich die Hälfte des Feldes beschwert und behauptet, die Starts seien gefährlich."
Ein cleverer Schachzug: Sicherheit als Vorwand Vasseur vermutet, dass einige Teams das Wort "Sicherheit" gezielt in den Mund genommen haben, um eine Änderung des Reglements zu erreichen. "Ein cleverer Schachzug, aber eben nicht korrekt," kritisiert er.
Um die vermeintlichen Sicherheitsrisiken zu minimieren, führte die FIA bereits beim Australien-Grand-Prix ein neues Startverfahren ein, das den Ampelstart um fünf Sekunden verzögert. Dies ermöglicht es den Teams, ihre Turbos stärker zu belasten, ohne dabei gefährliche Situationen zu riskieren. Vasseur reagiert mit Ironie: "Es war sicherlich nicht die Entscheidung, die uns am besten diente, aber wir konnten nicht viel dagegen tun. Wenn es ein Sicherheitsproblem gibt, liegt es in der Verantwortung der FIA, zu entscheiden." Er fügt hinzu, mit einem Augenzwinkern: "Klar hätten sie die anderen Teams auch einfach vom Pit Lane aus starten lassen können, wenn die Situation so gefährlich war."
Nach den Regulierungsänderungen wurden zahlreiche Teams während ihrer 'Filming Days' beobachtet, wie sie Startvorgänge übten. Vasseur scherzt: "Ohne diese neuen Regeln würden einige Autos in China noch immer in der Startaufstellung stehen."
Der Teamchef ist unmissverständlich: "Für uns war diese Entscheidung eine große Enttäuschung. Wir haben den Motor auf eine bestimmte Art und Weise entwickelt, und dann wurden die Regeln im letzten Moment geändert. Das ist unfair.“

Ferrari's dilemma: leistung gegen sicherheit
Die Situation verdeutlicht das Dilemma, vor dem Ferrari steht: Die Entwicklung des Motors wurde auf maximale Startbeschleunigung ausgerichtet, während die FIA nun die Sicherheit in den Vordergrund stellt. Ob Ferrari seine WM-Ambitionen trotz dieser Umstände aufrechterhalten kann, bleibt abzuwarten. Die Entscheidung der FIA mag zwar die Chancengleichheit erhöhen, doch sie hat Ferrari unweigerlich einen Vorteil genommen, der das Team bisher ausgezeichnet hatte.
