Felix hacker: vom sieg zum meniskus in sieben tagen – seine saison war ein einziger kreislauf aus hoffnung und schmerz

Felix Hacker spricht nicht lange um den heißen Brei herum. „Die Saison war eine Zerreißprobe, körperlich und im Kopf“, sagt er mit dieser rauen Stimme, die man von Skifahrern kennt – klingt, als hätte jemand Kieselsteine im Hals. Drei Sätze weiter kommt das erste „Vulle Wäsch“. Das Motto seiner Heimatregion, im Sauerland geboren, in Österreich verfeinert. Es bedeutet so viel wie: Alles rein, bis zur Neige. Genau das hat er getan. Und wurde dafür bestraft und belohnt, alles innerhalb von vier Wochen.

Der sieg, der keine zeit hatte zu wirken

Am 12. Dezember steht er wieder oben auf der Europacup-Piste. Er hatte monatelang auf Schnee nur in der Halle trainiert, die Meniskus-OP vom Vorjahr sitzt noch im Bein. Dann rast er runter, 1,9 km, 62 Tore, 1:48,03 Minuten – Sieg. Das Foto danach: Hacker, 26, lächelt verschmitzt, Augenbrauen voller Gletscherstaub. Die Kommentare sprechen vom „Comeback des Jahres“. Sieben Tage später reißt er sich den Meniskus erneut. „Ich hab gedacht, die Saison ist gelaufen“, sagt er. Die Ärzte auch.

Doch Hacker kennt seine Schmerzskala. „Wenn du beim Berglauf mal zwei Stunden mit angerissenem Kreuzband unterwegs warst, weißt du, was du aushältst.“ Vier Wochen später steht er in Wengen wieder am Start. Kein Mediziner hatte ihm das empfohlen. „Die meinten, ich bin verrückt.“ Er fuhr trotzdem. Es war nur ein Trainingstag, kein Rennen. Aber er brauchte diesen Beweis: Ich bin noch ich.

Zwischen höhenrausch und nullpunkte

Zwischen höhenrausch und nullpunkte

Die Statistik liest sich wie ein Herzschlag: ein Sieg, zwei Ausfälle, drei Mal nicht qualifiziert. In der Weltcup-Gesamtwertung landet er auf Platz 78. Keine Konstanz, keine Punktereihe. „Ich hab mich selbst enttäuscht“, sagt er. Aber er sagt es ohne Selbstmitleid. Eher wie jemand, der sich selbst beim Lügen erwischt hat. Denn er hatte geglaubt, nach dem Europacup-Sieg könne er durchstarten. „Ich war so euphorisiert, dass ich die Warnsignale ignoriert habe.“

Die größte Lehre: „Manchmal ist langsamer schneller.“ Er lacht, aber es klingt nicht überzeugt. Hacker ist ein Typ, der sich beim Zähneputzen noch schnell 20 Liegestütze gönnt. Stillstand ist keine Option. Genau das macht ihn gefährlich – und verwundbar.

Plan b steht, heißt aber plan a

Plan b steht, heißt aber plan a

Jetzt sitzt er in seinem Wohnzimmer in Saalfelden, Bein hochgelagert, Laptop offen. Auf dem Bildschirm: Trainingspläne, Zeiträume, rote Markierungen. „Ich hab mir einen Reset gegönnt: zwei Wochen keine Ski-Nachrichten, keine sozialen Medien.“ Danach startet der nächste Angriff. Die Saison 2026/27 soll die Revanche werden. Er will wieder in die Top-30, will in Kitzbühel starten, will jenes Gefühl zurück, das er in diesem Dezember hatte – bevor es wegriss.

Die Sponsoren stehen weiterhin an Bord. Red Bull, Atomic, ein regionaler Energieversorger. „Die wissen, dass ich kein Quoten-Skifahrer bin. Ich bin das Geschichts-Projekt.“ Seine Familie auch. Der Vater baut ihm wieder die Ski-Wachsbox, die Mutter schickt jeden Sonntag eine Sprachnachricht: „Bleib sauber, Sohn.“ Sauber heißt: keine Schnellschüsse, keine Freak-Trainingseinheiten. Langsam. Sauber. Vulle Wäsch – aber mit Hirn.

Am Horizont taucht schon der erste Schneetermin auf: Mitte Juni auf dem Hintertuxer Gletscher. Drei Monate noch. „Ich kann es kaum erwarten, wieder aufzusteigen. Aber diesmal steige ich, nicht renne ich.“ Er sagt es mit diesem Unterton, der jedem Ski-Fan klar macht: Felix Hacker ist noch lange nicht fertig mit uns. Die Saison war ein Schlag ins Gesicht. Seine Antwort: noch härter zurückschlagen – nur eben mit besserer Technik.