Fehler statt gold: forster verpasst super-g-sieg – pascual seco zieht vorbei

Anna-Lena Forster kam aus dem Startbalken, legte die ersten drei Flaggentore perfekt, dann rutschte das linke Brett. 0,8 Sekunden Rückstand, 1,2 Sekunden, 2,0 – die Lücke wuchs wie ein Riss im Frühjahrseis. Nach 1:25,14 Minuten war die Fahrt vorbei, die Konkurrentin Audrey Pascual Seco schon durchs Ziel, und die deutsche Fahnenträgerin wusste: Silber oder Bronze bleibt heute außer Reichweite.

Pascual seco revanchiert sich für die abfahft-niederlage

Die Spanierin stoppte die Uhr bei 1:17,82 Minuten – ein Vorsprung von 6,32 Sekunden auf Momoka Muraoka und 7,09 auf Liu Sitong. Für Forster eine Ewigkeit, für Pascual Seco Genugtuung. Erst 48 Stunden zuvor hatte die 26-Jährige im Abfahrtsfinale um fünf Hundertstel den Kürzeren gezogen. „Jetzt ist das Konto ausgeglichen“, sagte sie trocken, während hinter ihr bereits die Schneekanonen ansurrten, um die ramponierte Piste im Tofane Alpine Skiing Centre zu retten.

Die Organisatoren hatten das Rennen um 30 Minuten vorgezogen, weil die Plus-Grade drohten, die Strecke in eine Slush-Wüste zu verwandeln. Forster akzeptierte die Entscheidung, aber sie hasst Frühstarts. „Ich brauche drei Kaffees, um voll wach zu sein“, hatte sie vor der Saison gesagt. Heute reichte einer – und der war zu heiß.

Super-kombination wird zur schicksalsfahrt

Super-kombination wird zur schicksalsfahrt

Dienstag, 9.00 Uhr, geht’s weiter. Super-G plus Slalom, zwei Läufe, eine Medaille. Forster holte in Pyeongchang 2018 Gold in der Kombination, sie kennt den Druck. „Ich kann sie, ich will sie, ich hol sie“, flüsterte sie im Ziel, bevor sie zum Athletenhotel fuhr. Dort wartet bereits ein neues Setup: härtere Ski-Stollen, steilere Kanten, mehr Tempo. Das Materialteam hat 48 Stunden, um aus dem Fehler Lehren zu ziehen. Die Rechnung ist simpel: Fehlerwinkel unter zwei Grad, sonst wird aus Gold nur Edelstahl.

Die Paralympics sind noch jung, drei alpine Disziplinen stehen aus. Forster selbst sagt: „Eine Medaille ist kein Zufall, zwei sind ein Statement.“ Nach dem Ausrutscher fehlt ihr noch das Statement. In Cortina zählt nur die Zeit – und die läuft gegen die Uhr, nicht gegen die Gegnerin.