Fabio wagner fliegt trotz horror-fouls zur wm – deb bricht eigene regeln
14 Spiele Sperre in der DEL, aber Startfreigabe für die Schweiz: Bundestrainer Harold Kreis nominierte Fabio Wagner für die WM-Vorbereitung – und zündet damit eine Debatte über Doppelmoral im deutschen Eishockey.
Ende März rammte Wagner seinen Gegenspieler Edwin Tropmann mit einem Check gegen den Kopf, Tropmann musste mit schweren Verletzungen vom Eis getragen werden. Die DEL reagierte mit der längsten Sperre der Saison. Doch genau dieser Spieler darf nun das Nationaltrikot tragen. „An seinen sportlichen Qualitäten gibt es keinen Zweifel“, rechtfertigt sich DEB-Sportvorstand Christian Künast. Die 100 Länderspiele seien Beweis genug. Dass Wagner erst sieben von 14 Sperren absolviert hat, stört den Verband offenbar nicht – schließlich gelte das Urteil nur für die Liga, nicht für die Nationalmannschaft.
Die frage der glaubwürdigkeit
Wagners Nominierung ist ein Schlag ins Gesicht aller Spieler, die sich diszipliniert verhalten. Während der Verteidiger weiterhin mit Vollgas auf die WM zusteuert, fehlen andere Leistungsträger wie Moritz Müller – der langjährige Kapitän ist nicht einmal im erweiterten Kader. Stattdessen setzt Kreis auf drei Spieler der Kölner Haie, die in der abgelaufenen Saison weit hinter den Erwartungen blieben. Dazu holt er Maximilian Kastner und Phillip Sinn aus München, obwohl gerade diese Mannschaft im Playoff-Finale gegen Ingolstadt mit dem Wagner-Foul den Tiefpunkt der Serie markierte.
Die Message ist klar: Taten haben keine Konsequenzen, solange das Talent stimmt. Ein gefährliches Signal in einer Sportart, die sich selbst als fair und familiär verkauft.

Der kader im überblick
Ohne Stammtorhüter Mathias Niederberger (verletzt) und ohne Olympia-Stürmer Tobias Rieder sowie Yasin Ehliz reist das DEB-Team am Donnerstag nach Zell am See. Gegner ist Österreich, am Samstag folgt in Garmisch-Partenkirchen das zweite Testspiel. Erst am 10. Mai kommen die NHL- und DEL-Finalisten dazu, dann geht es in Mannheim gegen die USA. Die WM startet am 15. Mai in Zürich gegen Finnland – mit Fabio Wagner in der Defensive. Ob er dort auch spielen darf, entscheidet nicht die DEL, sondern allein das DEB-Kernteam. Die Hoffnung, dass der Verband seine eigenen Standards höher anlegt, zerplatzte mit der heutigen Nominierung endgültig.
Ein letzter Fakt: Seit der Silbermedaille von 2018 wartet Deutschland auf WM-Edelmetall. Vielleicht liegt es ja nicht nur am fehlenden Können, sondern auch an der fehlenden Konsequenz.
