Everest-katastrophe: zwei todesfälle überschatten gipfelerfolg
Die Spitze des Mount Everest, normalerweise ein Symbol menschlichen Mutes und sportlicher Leistung, ist in einen Albtraum verwandelt worden. Nur wenige Tage nach einer Rekordzahl erfolgreicher Besteigungen fordern nun zwei Todesfälle innerhalb kürzester Zeit die Sherpas und die internationale Bergsteigergemeinschaft heraus. Die Saison auf dem „Dach der Welt“ nimmt eine tragische Wendung.

Dramatische ereignisse im abstieg
Arun Kumar Tiwari, ein indischer Bergsteiger, verstarb in unmittelbarer Nähe des Hillary Steps, kurz unterhalb des Gipfels. Laut Nivesh Karki, Generaldirektor von Pioneer Adventures, wurde Tiwari von vier Sherpas begleitet, als er offenbar einem tödlichen Höhenlungenödem erlag. Der 46-jährige Are, der den Gipfel bereits am 20. Mai erreichte, litt kurz darauf unter einer schweren Schneeblindheit, einer sogenannten Kornea-Verbrennung. Trotz des schnellen Einsatzes von fünf Sherpas, die ihn ins Camp II brachten, verstarb er dort.
Ein dritter indischer Bergsteiger konnte zwar aus dem South Col gerettet werden, doch die Ereignisse verdeutlichen die extremen Risiken, denen sich Bergsteiger auf dieser Höhe aussetzen. Die hohe Anzahl an Bergsteigern, die an diesem Tag – mit 274 erreichten Gipfeln ein neuer Rekord – den Aufstieg wagten, erschwerte die Rettungsarbeiten erheblich. Zeugenaussagen deuten darauf hin, dass zahlreiche Bergsteiger unter Schneeblindheit litten, verursacht durch die intensive UV-Strahlung in den dünnen Schichten der Atmosphäre, während sie in langen Warteschlangen auf den Gipfel warteten.
Die traurige Bilanz der Saison nimmt weiter zu. Phura Gyaljen Sherpa, gerade einmal 21 Jahre alt, stürzte in eine Gletscherspalte in der Nähe des Camp III und verstarb sofort. Bijaya Ghimire, der erste nepalesische Dalit, der den Gipfel erreichte, erlitt offenbar einen Herzinfarkt auf dem Weg vom Basislager zum Camp 1. Auch Lakpa Dendi Sherpa, ein erfahrener 52-jähriger Bergführer, kam bei einem Absturz auf dem Weg vom Gorakshep zum Basislager ums Leben.
Die Hintergründe dieser Tragödien werfen ein Schlaglicht auf die zunehmende Kommerzialisierung des Everest-Besteigens und die damit verbundenen Risiken. Die schiere Anzahl an Bergsteigern, die gleichzeitig versuchen, den Gipfel zu erreichen, führt zu gefährlichen Staus und verzögert die notwendige medizinische Versorgung im Notfall. Die Bedingungen auf dem Berg sind extrem, und selbst erfahrene Bergsteiger sind nicht vor den unberechenbaren Gefahren gefeit. Die fünf Todesfälle in dieser Saison sind eine schmerzliche Erinnerung daran, dass der Mount Everest kein Spielplatz ist, sondern eine tödliche Herausforderung, die Respekt und höchste Vorsicht erfordert.
