Evenepoel verzichtet auf hölle des nordens: kluge entscheidung für tour-ambitionen?
Paris-Roubaix – Ein Schock für die Pflasterstein-Fans, eine strategische Entscheidung für Remco Evenepoel. Der zweimalige Olympiasieger wird bei der 123. Ausgabe des Klassikers in Flandern fehlen. Eine Überraschung, die viele Fragen aufwirft, aber nach Ansicht von Experten wie Jens Voigt durchaus nachvollziehbar ist.

Fokus auf den gesamtsieg in frankreich
Nach seinem beeindruckenden dritten Platz bei der Flandern-Rundfahrt hatte man kurzzeitig gehofft, Evenepoel könnte auch in Roubaix sein Können zeigen. Doch Red Bull-Bora-hansgrohe hat andere Pläne. Wie ein Teamsprecher gegenüber Sporza erklärte, liegt der Fokus klar auf der Tour de France. Der 26-Jährige will seine Kräfte bündeln und sich auf das große Ziel konzentrieren – den Gewinn der Frankreich-Rundfahrt. Eine ambitionierte Zielsetzung, die ein sorgfältiges Management seiner Form erfordert.
Jens Voigt, der als Experte für Eurosport tätig ist, sieht die Entscheidung von Evenepoel als richtig an. „Remco war in Flandern sehr, sehr stark. Eine Teilnahme bei Paris-Roubaix wäre möglich gewesen, die Form stimmte. Aber Red Bull hat einen Plan: Sie wollen die Tour de France gewinnen“, so Voigt. Die bisherige Saison war für Evenepoel bereits kräftezehrend. Drei einwöchige Rundfahrten (Valencia, UAE Tour und Katalonien) sowie sein Debüt in Flandern haben ihn an seine Grenzen gebracht.
Die Ausnahme Pogacar: Es ist ungewöhnlich, dass ein Fahrer wie Evenepoel sowohl Paris-Roubaix als auch die Tour de France ins Visier nimmt. Nur Tadej Pogacar hat in den letzten Jahren bewiesen, dass diese Kombination möglich ist – und das auch noch mit Erfolg. Wie Voigt anmerkte, bricht Pogacar „gegen die Regeln des modernen Radsports“, während die meisten Fahrer ihre Kräfte dosieren müssen.
Evenepoel selbst zeigte sich nach seiner Leistung in Flandern zufrieden. „Mehr oder weniger perfekt“, kommentierte er sein Ergebnis. Die Konzentration auf die Ardennen-Klassiker, insbesondere Lüttich-Bastogne-Lüttich, wo er bereits 2022 und 2023 triumphierte, steht nun im Vordergrund. Eine Jagd nach Monumenten in Roubaix ist also vorerst vom Tisch.
Zwischen Jonas Vingegaard, der Klassiker komplett meidet, und Pogacars Alleskönnerschaft befindet sich Evenepoel in einer strategischen Nische. Für ihn macht es im Moment Sinn, Paris-Roubaix auszulassen und seine Energie für die größeren Ziele zu sparen. Die Frage ist, ob sich diese Strategie im kommenden Jahr ändern wird – wenn er beispielsweise die Tour de France gewonnen hat. Dann wäre Roubaix vielleicht doch eine Option.
Die Entscheidung mag für einige Fans enttäuschend sein, doch angesichts der ambitionierten Ziele von Remco Evenepoel erscheint sie als wohlüberlegter Schachzug. Ob sich diese Taktik auszahlt, wird die Saison zeigen.
