Evenepoel fliegt in vila-seca auf asphalt – sein katalonien-traum endet im kreisverkehr
29 Kilometer vor dem Ziel jagte Remco Evenepoel über die Windkante, nur Jonas Vingegaard folgte. Zehn Sekunden Vorsprung, zwei Olympia-Goldsieger gegen das Feld – das sah nach einem Coup aus, den die Rennleitung noch jahrelang zeigen würde. Dann kam der Kreisverkehr. 300 Meter. Ein Aufprall. Plötzlich lag der Belgier auf dem Asphalt, Blut lief über Ellbogen und Knie, der Traum von Etappensieg und Gesamtsieg zerbarst in Sekundenbruchteilen.
Vingegaard bremst ab – godon profitiert
Der Däne ließ das Tempo fallen, wartete auf das Hauptfeld. „Ich wollte mir keinen Vorteil erarbeiten“, sagte Jonas Vingegaard später, fast schon apologetisch. Michel Heßmann wurde bester Deutscher auf Rang neun, doch der Tag gehörte Dorian Godon. Der Franzose aus Ineos-Grenadier gewann den Massensprint vor Ethan Vernon und Noah Hobbs und baute seine Führung im Gesamtklassement aus. Evenepoel wurde mit derselben Zeit wie Godon gewertet, trotzdem rutscht er auf Platz 106, elf Sekunden hinter dem neuen Leader.
Die Bilder zeigen einen leeren Blick. Evenepoel stand am Straßenrand, Schlamm auf der linken Hälfte seines Trikots, die rechte Hälfte blutverschmiert. Noch am Vortag hatte der 26-Jährige angekündigt, in den Pyrenäen angreifen zu wollen. Nun geht er als Zweiter, aber mit Schrammen statt mit Schwung, in die erste Bergankunft nach Vallter 2000. 173 Kilometer, 4 041 Höhenmeter – das sind die harten Zahlen, die zählen.

Red bull-bora-hansgrohe zählt blessuren
Im Teambus war nach dem Rennen kaum ein Laut zu hören. Florian Lipowitz musste mit ansehen, wie sein Kapitän stürzte; die deutsche Equipe verlor an diesem Nachmittag nicht nur Zeit, sondern auch die mentale Oberhand. Evenepoels Sturz war nicht folgenlos: Die Schürfwunden müssen über Nacht verheilen, die Verspannungen im Rücken sind erst am Morgen spürbar. Ärzte verbrachten 45 Minuten mit Wundversiegelung und Tape – kostbare Regenerationszeit vor der Queen Stage.
Die 105. Volta a Catalunya endet am Sonntag in Barcelona. Bis dahin sind es noch vier Etappen, doch die Psychologie ist längst entschieden: Evenepoel muss von hinten aufrollen, Godon darf reagieren. Die Frage ist nicht mehr, ob der Belgier in den Bergen attackiert – sondern ob seine Haut das mitmacht.
