Eva lys stolpert mit knie und mut: 77 minuten albtraum in miami
Knallhart. Die 24-jährige Hamburgerin verliert ihr Comeback in Miami gegen die 186 Plätze schlechter platzierte Julija Starodubzewa 1:6, 4:6 – und braucht dafür nur 77 Minuten. Ein Sprint, der sich wie ein Marathon anfühlte.

Das knie war nur die halbe wahrheit
Lys hatte nach den Australian Open die Schuhe an den Nagel gehängt, weil ihr rechtes Knie sich beim United Cup in Sydney weigerte, mitzumachen. Zwei Monate Reha, keine Turniere, keine Matchpraxis – und dann das. Starodubzewa spielte, als hätte sie Lys’ Bewegungsmuster vorher auf Video analysiert: tief, schnell, unerbittlich in die Ecke. Die Deutsche schlug 24 Fehler, nur neun Winner. Die Statistik lügt nicht, sie demütigt.
Was kaum jemand bemerkte: Lys’ Aufschlaggeschwindigkeit lag durchschnittlich bei 153 km/h – vor der Verletzung waren es 167. Ein kleiner Unterschied, der im Tennis der Unterschied zwischen Druck und Druckmittel ist. Nach dem Match stand sie mit leeren Augen am Netz, als frage sie sich, ob das Knie wirklich geheilt war oder ob der Kopf nun nachzog.
Für den DSV bleibt ein Flickenteppich: Laura Siegemund, Tatjana Maria und Ella Seidel halten die Fahne hoch. Doch Lys war die, die nach ihrer Viertelfinal-Explosion in Adelaide eigentlich dieses Frühjahr ausrutschen sollte. Stattdessen rutschte sie ab – und wie.
77 Minuten. Knie hin oder her, man kann eine Saison nicht in 77 Minuten verspielen. Aber man kann den Anschluss verlieren. Und der nächste Grand Slam, Roland Garros, rückt mit jedem Fehler ein Stück näher – für die Gegnerinnen.
