Eustaquio rettet kanadas traum in letzter sekunde – achtelfinale erstmals erreicht
Los Angeles schaute in die Röhre, und dennoch jubelte ein ganzes Land: Stephen Eustaquio schoss Kanada in der fünften Minute der Nachspielzeit ins erste WM-Achtelfinale seiner Geschichte. Das 1:0 gegen Südafrika kam spät, glücklich, aber nicht unverdient – und löste im SoFi Stadium eine kanadische Tsunami-Welle aus.
Marschs in den usa nach gruppen-debakel
Nur vier Tage nach der Niederlage gegen die Schweiz musste die Mannschaft von Trainer Jesse Marsch von Vancouver nach Kalifornien umziehen. Die Vorrunde endete mit zwei Punkten, aber dem Vorteil des dritten Gruppenplatzes – und plötzlich stand Los Angeles auf dem Plan. Dass ausgerechnet hier, im Herzen der US-Sportmetropole, der Knoten platzen würde, wagte niemand vorherzusagen.
Die Partie selbst war 90 Minuten lang ein Schlag ins Gesicht für jeden, der Fußball als Unterhaltung versteht. Kanada presste, Südafrika schlug Bälle in die Wolken. Die Tribünen piffen schon in Halbzeit eins, als Tajon Buchanan den Ball nach einem Kopfball von Moise Bombito aus kurzer Distanz an Keeper Ronwen Williams setzte. Der Schuss – und die Stimmung – prallten ab.

Davies kommt, aber das spiel bleibt lahm
Als Alphonso Davies in der 75. Minute für Liam Millar hereinkam, brach Jubel aus – 70.000 Stimmen, die sich nach Leben sehnten. Der Bayern-Star hatte seit Anfang Mai kein Pflichtspiel mehr bestritten, seine Oberschenkelverletzung war behutsam heruntergefahren worden. Er blieb zunächst Außenseiter seiner eigenen Mannschaft, weil Marsch ihn schützen wollte. Dann kam die Nachspielzeit.
Tani Oluwaseyi hatte zuvor Keeper Williams aus spitzem Winkel gestellt und knapp verpasst. Doch die Ecke danach segelte erneut herein, Jonathan David verlängerte, und Eustaquio – der Mann von Los Angeles FC – donnerte den Ball aus 14 Metern ins linke Eck. Das Stadion explodierte, Südafrika brach in sich zusammen.

Bafana bafana verabschiedet sich mit erhobenem kopf
Für Südafrika war das Aus trotzdem ein Erfolg. Erstmals seit 2010 – und nur zum vierten Mal überhaupt – hatte sich das Team für die K.o.-Runde qualifiziert. Die spielerischen Mittel fehlten zwar in Los Angeles, doch die defensive Ordnung hielt 90 Minuten lang. Ronwen Williams parierte, was ging, und selbst als Eustaquio traf, applaudierten einige südafrikanische Fans respektvoll.
Kanada reist nun nach Houston, wo am Samstag die Niederlande oder Marokko wartet. Ob Davies von Beginn an spielt, wird Marsch in den nächsten Tagen entscheiden. Eines steht fest: Der Co-Gastgeber hat sein Märchen geschrieben – und das mit einem Lucky Punch, der in die Geschichtsbücher eingeht.
