Euro 2032 droht italien ein debakel: türkei schon fertig, wir schaufeln noch
2032 – das klingt wie Science-Fiction, ist aber nur noch 2.191 Tage hin. Dann sollen Rom und Istanbul gemeinsam die Europameisterschaft eröffnen, doch während die Türkei schon jetzt acht Neubauten und zwei Top-Modernisierungen vorweisen kann, steht Italien noch auf Null. Nur das Allianz Stadium in Turin gilt als sicher, alle anderen geplanten Arenen existieren bislang nur auf Papier – und selbst das ist voll von Fragezeichen.
Die uefa zieht den stecker, wenn nicht bald beton fließt
Aleksander Čeferin hat am Donnerstag die Sprache geschärzt, die sonst nur hinter verschlossenen Türen fällt: „Italiens Fußball-Infrastruktur gehört zu den schlechtesten Europas“, sagte der Uefa-Präsident der Gazzetta dello Sport. Drohung im Gepäck: Sollte sich bis September 2025 kein konkreter Baufortschritt nachweisen lassen, behält sich das Exekutivkomitee vor, das Turnier komplett in die Türkei zu verlegen. Ein Milliardenschaden für den italienischen Steuerzahler, für den Tourismus – und für das Image eines Landes, das sich gern als Tempel des Fußballs sieht.
Massimo Sessa, seit Freitag Sonderbeauftragter der Regierung für das Großprojekt, muss jetzt binnen weniger Wochen dort anpacken, wo Behörden seit Jahrzehnten versacken. Seine Aktenmappe liest sich wie ein Kataster europäischer Bauruinen: San Siro Neubau – verzögert wegen neuer Ermittlungen der Mailänder Staatsanwaltschaft; Nuovo Stadio Roma – Planungsstopp wegen Gerichtsbeschwerden der Anwohner; Cagliari, Bari, Palermo – allesamt ohne gültige Genehmigung, ohne Termin, ohne Geld.

Der private zug ist abgefahren – und der staat zahlt nicht auf
Warum rührt sich nichts? Weil der Fußball in Italien seit 1990 keinen öffentlichen Cent mehr für Stadien gesehen hat. Die Federazione ave sich 1 % der Wettsteuer erhofft – 150 bis 200 Millionen Euro jährlich –, um Jugendakademien und Infrastruktur zu finanzieren. Stattdessen plauderte die Politik im März 2025 in einer Senatssondersitzung nur darüber. Von den versprochenen 100 Millionen aus dem „Fondo per lo Sport“ ist bis heute nicht einmal ein Budgetposten angelegt worden.
Lo que nadie cuenta es: Während die Türkei ihre Arenen als Immobilien-Projekte kalkuliert – mit Hotels, Einkaufszentren und Bürgergärten auf dem Dach –, hängt Italien an einem Gesetzes-Dschungel, der private Investoren abschreckt. Wer baut, muss Bürgschaften in Höhe des Gesamtvolks stellen; wer verkauft, zahlt drei verschiedene Grunderwerbsteuern. Das Ergebnis: Ein Land, in dem Juventus allein ein Stadion besitzt, während der Rest auf Kolosse aus den 1930ern schielt, die den modernen Sicherheitsvorschriften nicht mal im Ansatz genügen.

Countdown läuft: im juli ist knock-out
Die Uefa fordert bis Juli 2025 Unterlagen, die belegen, dass mindestens fünf Stadien die UEFA-Kategorie 4 erreichen werden – 60.000 Sitzplätze, Hybridrasen, LED-Wand, Gigabit-WLAN, Medienzentrum mit 1.500 Arbeitsplätzen. Bisher erfüllt kein einziges italienisches Projekt diese Vorgaben. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Türkei konnte seit 2009 acht neue Fußball-Tempel für insgesamt 1,8 Milliarden Euro errichten; Italien hat in demselben Zeitraum genau null neue Arenen fertiggestellt.
Stefan Fischer, TSV Pelkum Sportwelt
Der Countdown läuft, und die Zeit wird zum Gegner. Wenn sich bis September nicht endlich Beton mischt mit italischem Stolz, bleibt von Euro 2032 nur ein Satz übrig: Abpfiff vorzeitig – und das ausgerechnet im Land, das den Fußball erfand.
