Estupiñán besiegt den derby-fluch – jetzt will er die lazio-startelf

Der Treffer im Derby war kein Lucky Punch, sondern ein Befreiungsschlag. Pervis Estupiñán, der Ecuadorianer, den viele beim AC Mailand schon abgeschrieben hatten, schoss sich mit seinem Linksschuss ins Herz der Tifosi – und direkt in die Kaderpläne von Trainer Allegri.

Landucci brüllt es ihm ins ohr: „das hast du dir verdient!“

Marco Landucci, Allegris rechte Hand seit 20 Jahren und Mann fürs Grobe, wartete Estupiñán nach Schlusspfiff vor der Nordkurve ab. Kein Klaps auf den Hintern, sondern ein Würgegriff, der mehr sagt als jede Pressekonferenz. „Das war keine Standard-Scene“, flüstert ein Betreuer. „Landucci umarmt nur, wer auch wirkungssportlich liefern wird.“

Die Zahlen liefern den Beweis: Seit Januar hat Estupiñán in 312 Minuten zwei Scorerpunkte gesammelt – mehr als in den vorherigen 1.100 Minuten der Saison. Seine Zweikampfquote stieg von 47 % auf 63 %, die Sprintzahl verdoppelte sich. Bartesaghi, das 19-jährige Talent, darf weiter warten.

Shevchenko schaut zu – und leao tanzt mit ihm

Shevchenko schaut zu – und leao tanzt mit ihm

Andriy Shevchenko, Ballon-d’Or-Gewinner von 2004, stand am Rand des Trainingsplatzes in Milanello. Er beobachtete, wie Estupiñán die Flanke für den 2:1-Siegtreffer probte – genau die Variante, die am Sonntag funktionierte. Rafael Leao war der Erste, der den Linksfuß nach dem Tor umarmte. „Er hat mir gesagt: Jetzt bist du dran, bleib da“, verrät Estupiñán im Kreis der Mannschaft.

Gegen Lazio wird er starten, das steht intern schon fest. Gimenez, der Mexikaner, fehlt wohl ebenso wie Kalulu – beide sind noch nicht laufstark genug. Estupiñán nutzte die Lücke, um sich eine Auszeit von der Nationalmannschaft zu erlauben: Er will den Rhythmus nicht unterbrechen, bevor der Weltcup-Quali-Marathon beginnt.

Der nächste Test folgt sofort: Rom, Olympiastadion, 70.000 Fans. Wer da besteht, bleibt. Für Estupiñán heißt das: 90 Minuten, kein Netz, kein Geländer. Nur der Rasen und die Chance, endlich zur Serie-A-Startelf zu gehören – nicht nur für ein Derby, sondern für die Restsaison.