Erik reibe sitzt in storrs fest – und wartet auf den durchbruch

Der 2,13-Meter-Mann aus Ulm spielt nicht, er lernt. Erik Reibe stapelt in der Nacht durch leere Gänge der XL-Center-Trainingsshirts, hört das Quietschen seiner Turnschuhe und weiß: Jede Minute, die er jetzt verpasst, kann ihm später eine NBA-Minute schenken.

Reibe schuftet im schatten von tarris reed jr.

36 Spiele, fünf Starts, 14,6 Minuten im Schnitt. Die Zahlen klingen nach Rolle, nicht nach Rampenlicht. Doch genau darauf hatte sich der 19-Jährige verlassen, als er sich im vergangenen Sommer gegen einige europäische Pro-Offerten und gegen die easyCredit BBL entschied. „Ich wollte mich an den besten Pfosten meiner Altersklasse messen“, sagt er im ESPN-Gespräch, „und nicht in einer Zone aufwachsen, in der mir niemand mehr die Grenzen aufzeigt.“

Die Grenze trägt zurzeit Trikot Nummer 23: Tarris Reed Jr. Der Senior zog in der ersten March-Madness-Runde gegen Saint Mary’s 31 Punkte und 27 Rebounds – eine Leistung, die selbst Dan Hurley vor der Presse staunen ließ. Für Reibe bedeutet das: Bank, bereitmachen, warmhalten. Er liefert 6,5 Punkte und 3,6 Rebounds bei 66 Prozent Feldwurfquote, doch Statistiken interessieren ihn nur noch, wenn sie mit Siegen enden.

Toughness statt spielzeit

Toughness statt spielzeit

„Mein größter Fortschritt ist härter geworden“, sagt er und deutet auf eine gerötete Stelle an der linken Schulter, wo Reed ihn gestern im Five-on-five nach einem Pick verfrachtet hat. Hurley brüllt Spieler wach, zerlegt sie in Film-Sessions und baut sie in 6-Uhr-Morgenläufen wieder zusammen – ein Konzept, das deutsche Nachwuchsakademien so nicht kennen. Reibe nahm es an, weil er weiß: NBA-Scouts notieren sich nicht bloß Boxscores, sie wollen sehen, wie ein Big Mann reagiert, wenn die Minutes schrumpfen.

UConn steht im Sweet 16, die Atmosphäre im Campus ist seit Tagen ein einziges Bassgewitter. „Jeder Ballbesitz ist wie Leben oder Tod“, beschreibt Reibe den Modus. Für ihn heißt das: 48 Stunden Vorbereitung auf Illinois, Reed wird wieder starten, und Reibe muss in seinen kurzen Stints sofort die Boards sichern, den Hedge auf die Guards verkürzen, den Ball hochhalten. Kleinigkeiten, die in den Spielberichten untergehen, aber in den Notizbüchern von Atlanta, Portland oder San Antonio punkten.

Der deutsche pfad bleibt offen

Der deutsche pfad bleibt offen

Die BBL klopft bereits. Bayern München und Alba Berlin haben Scouts in Connecticut, ALBA-Chef Herwigstraße ließ sich vor zwei Wochen ein komplettes Workout-Videopaket schicken. Reibe sagt, er höre die Anrufe, aber er ignoriert sie. „Ich bin hier, um meine Deadline 2025 zu erreichen, nicht um zurückzueilen.“ Die Deadline ist der NBA-Draft, der 18. Juni im Barclays Center. Bis dahin sind es noch maximal neun College-Spiele – und ein Frühsommer voller individueller Pro Days, Interviews mit GMs, medizinischen Checks.

Danach wird sich zeigen, ob seine Bankjahre bei den Huskies als Lehrjahre oder als verpasste Jahre gelten. Reibe selbst wirkt gelassen. Nach dem Training schlendert er barfuß durch den leeren Kraftraum, sein Handy zeigt einen Countdown: 92 Tage bis Draft. Er lacht. „Solange die Uhr tickt, habe ich Zeit, mich unersetzlich zu machen.“ Die NBA wartet, aber sie wartet nicht ewig. Und Erik Reibe ist bereit, sich die Minuten buchstäblich zu erarbeiten – selbst wenn sie im Moment nur 14,6 betragen.