England vibriert: tuchel formt löwen-rudel für wm-triumph?

Das frühe WM-Duell zwischen den vermeintlichen Top-Favoriten offenbarte deutliche Schwächen – doch England unter Thomas Tuchel scheint eine neue Energie gefunden zu haben. Der Sieg gegen Kroatien ließ den Eindruck eines Teams entstehen, das sich neu erfunden hat und bereit ist, um die Weltmeisterschaft zu kämpfen.

Die tuchel-revolution: mehr als nur taktik

Die tuchel-revolution: mehr als nur taktik

Die Ära Gareth Southgate war von beachtlichen Erfolgen geprägt – Halbfinale 2018, zwei Finalteilnahmen bei EM-Turnieren. Doch es fehlte der letzte, entscheidende Funke, um das immense Talent im Kader in ein funktionierendes Puzzle zu verwandeln. Tuchel übernahm das Ruder und vollzog eine bittere, aber notwendige Trennung von einigen vermeintlichen Leistungsträgern. Die Ergebnisse auf dem Platz sprechen nun für sich.

„Wir bauen auf dem Fundament auf, das Southgate und der Verband gelegt haben, und fügen hinzu, was nötig ist, um die Ziellinie zu überqueren“, erklärte Tuchel bei seinem Amtsantritt, umgeben von einem Meer kritischer Stimmen. Die unbarmherzige Selektion, die Namen wie Harry Maguire, Trent Alexander-Arnold und Phil Foden überflüssig machte, hat sich ausgezahlt. Die englische Nationalmannschaft präsentiert sich nun fokussierter und zielgerichteter als je zuvor.

Die Qualifikation für diese Weltmeisterschaft verlief nahezu perfekt, ein weiterer Beweis für Tuchels rigorose Methoden. 22 Tore in acht Spielen ohne Gegentor – eine eindrucksvolle Bilanz, die ihre Früchte trägt. Die Taktik? Sie erinnert an Tuchels erfolgreiches Chelsea, ein Team, das zwar nicht unbedingt das Spiel diktiert, dafür aber mit einer beeindruckenden Intensität und Vertikalität agiert.

Während der Europameisterschaft wurde England oft vorgeworfen, im „Embudo“ zu spielen, mit Spielern, die sich stets an den Fuß orientierten und kaum Räume schafften. Das ist längst der Vergangenheit angehört. Die neu formierte Mannschaft agiert nun mit einer klaren Struktur: Rice und Anderson erobern Bälle und verteilen sie schnell, Kane setzt zentrale Abwehrspieler unter Druck, Bellingham findet Räume zwischen den Linien und Madueke und Gordon setzen mit ihrer Schnelligkeit Akzente auf den Flügeln.

Das Spiel gegen Kroatien demonstrierte eindrucksvoll, wie weit England unter Tuchel gekommen ist. 21 Torschüsse, nur 21,7 Pässe pro Torschuss und 69,4 defensive Aktionen pro Spiel – beeindruckende Statistiken, die die Dominanz der Engländer verdeutlichen. Die Mannschaft kontrollierte über 50 Prozent Ballbesitz und schöpfte ihre Chancen konsequent aus.

„Das erste Durchgang war nicht gut genug. Uns fehlte Selbstvertrauen, wir waren zu vorsichtig und haben das Spiel nicht kontrolliert“, gab Tuchel nach dem Spiel zu. Doch die Reaktion seiner Mannschaft in der zweiten Halbzeit war beeindruckend. „Wir wurden aggressiver, gewannen mehr Zweikämpfe und zeigten die Intensität, die ich von ihnen erwarte. Ich habe ihnen gesagt, dass das Ergebnis zweitrangig ist. Wichtig ist, unsere Identität zu zeigen und mit Mut zu spielen. Die Antwort war fantastisch.“

Die kurzzeitige Einwechslung von Rogers für Rice und die anschließende Umstellung auf ein Doppel-Sechs mit James und Anderson zeigten, dass Tuchel auch in der Lage ist, blitzschnell zu reagieren und das Spiel zu korrigieren. England vibriert – und das 60 Jahre nach dem einzigen WM-Triumph des Landes. Der Weg zum Titel ist noch lang, aber Tuchel hat eine Mannschaft geformt, die bereit ist, alles zu geben.