Emreli trifft im derby: sein tor war ein abschied und ein neuanfang
Mahir Emreli brauchte 181 Tage, 19 Spieltage und eine Trauerrede im Stadion, um endlich zu jubeln. Sein 3:0 gegen Karlsruhe war kein gewöhnliches Tor – es war die Antwort auf eine Saison voller Schmerz, Streit und den Tod seines Cousins.
Der sturm, der nicht starten wollte
Elf Treffer für Nürnberg, 28 Jahre alt, Nationalspieler – das sollte die neue Sturmzukunft des FCK sein. Doch statt Toren gab es erstmal Tränen. Adduktorensehnenriss, acht Spiele Pause, ein öffentliches Zerwürfnis mit Torsten Lieberknecht. „Ein sauberes, kontroverses Gespräch“, nannte der Trainer es im Oktober. Emreli selbst schweigt zu Details, sagt nur: „Ich wollte es mir selbst beweisen.“
Die Beweise lagen lange im Verletzungszimmer. Gegen Münster kam er zurück, gegen Karlsruhe durfte er für neun Minuten alles abladen: Frust, Sehnsucht, Trauer. Sein Schuss schlug links unten ein, das Fritz-Walter-Stadion kochte, und Emreli fiel auf die Knie – nicht wegen des Derby-Siegessicherheit, sondern wegen eines Bildes. „Ich habe meinen Cousin vor mir gesehen. Das Tor war für ihn.“

Der preis hinter dem jubel
November. Emreli postet ein Schwarz-weiß-Foto, darunter die Zeile: „Das Spiel sollte mein Abschied werden.“ Der Cousin war kurz zuvor gestorben, die Verletzung gegen Hertha war nur drei Tage später. Wer genau hinsieht, erkennt auf den Tribünen des Wildparkstadions Kerzen und aserbaidschanische Flaggen – Fans hatten spontan ein Gedenken organisiert.
Lieberknecht redet nach dem 3:0 von „Dankbarkeit“. Mergim Berisha, ebenfalls Winterzugang und ebenfalls Torschütze, sitzt neben ihm und nickt. „Beide haben sich bedankt für das Vertrauen“, sagt der Trainer. Was er nicht sagt: Ohne diese beiden Treffer wäre die Saison noch tiefer in der Bedeutungslosigkeit versunken. Kaiserslautern hat 38 Punkte, liegt acht Zähler hinter Platz drei, dem letzten Aufstiegsrang. Die Mathematik ist gnadenlos, die Moral aber wieder da.

Nächster gegner: die eigene vergangenheit
Am Samstag (13 Uhr) spielt der FCK in Nürnberg – genau dort, wo Emreli einst die Zahlen schrieb, die ihn nach Lautern lockten. Dort wartet auch Ex-Klub-Präsident Dieter Hecking, der ihn damals aus der Zweitliga-Reserve holte. „Ich kenne seine Qualitäten“, sagt Hecking, „er braucht nur eine Sekunde.“
Danach kommt Düsseldorf, danach Berlin – und mit Hertha das Stadion, in dem seine Sehne riss. Emreli lacht kurz: „Ich habe keine Angst. Ich habe schon das Schlimmste hinter mir.“ Die Adduktoren sind verheilt, der Cousin bleibt. Beim Tor gegen Karlsruhe hob Emreli den Blick gen Südtribüne. Dort steht seit Sonntag ein kleines Banner: „Mahir, willkommen im Land der Träumer.“
Ein Tor, drei Punkte, eine Trauer – und vielleicht der Startschuss für eine Saison, die doch noch endet, bevor sie begann.
