Rangnick zündet den turbo: öfb-kader mit wanner und chukwuemeka ist ein statement
Ralf Rangnick schickt ein Signal, laut wie ein Konterschlag. Mit Paul Wanner und Carney Chukwuemeka nominiert der ÖFB-Teamchef zwei Spieler, die vor wenigen Monaten noch in deutschen Nachwuchs-Nationalteams standen. Nun sollen sie Österreichs Offensive beim Test gegen Ghana und vier Tage später gegen Südkorea elektrisieren. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: 90 Tage vor der WM 2026 will Rangnick wissen, wer trägt das Tempo, wer trägt die Last.
Warum wanner und chukwuemeka sofort kasse machen können
Beide wurden freigegeben, weil ihre Mütter in Wien und Linz geboren wurden. Wanner, 19, dribbelt seit Januar bei PSV Eindhoven so frech, dass selbst die Holländer aufmerksam wurden. Chukwuemeka, ein Jahr älter, kam aus der Chelsea-Fabrik, ging nach Dortmund – und jetzt ins Happel-Stadion. Rangnick liebt ballrobuste Achter, die mit ersten Kontakt die Spielfeldhälfte wechseln. Die beiden sind keine Rohdiamanten mehr, sondern geschliffene Klingen, die er sofort einsetzen wird.
Die Konkurrenz im Mittelfeld ist brutal: Sabitzer, Baumgartner, Laimer – alles Großstadt-Kinder mit Champions-League-Rausch. Rangnick aber baut auf Tempo-Umsetzung, nicht auf Marktwert. „Wer in den ersten 15 Minuten die Süd-Koreaner entnervt, spielt“, sagte er beim Kader-Tag in Maria Enzersdorf. Dort trainierte Wanner erstmals mit einem Grinsen, das an Robben erinnert.

Affengruber und wiegele: zwei debütanten, null blaumachen
David Affengruber hört sich nach einem Comic-Namen an, doch der 23-Jährige aus Elche spielt seit zwei Jahren konstant in Spaniens Segunda División. Er ist der Innenverteidiger, der sich beim Spielaufbau nicht versteckt, sondern diagonal in die gegnerische Hälfte dribbelt. Florian Wiegele wiederum sammelte in Pilsen Erfahrung gegen Europa-League-Stürmer. Rangnick will wissen, ob einer von beiden neben Danso die Lücke schließt, die Alaba und Wöber wegen Verletzungspech momentan lassen.
Die Zahl der Nominierten: 28. Die Zahl der erwarteten Einsatzminuten von Alaba: 0. Rangnick redete offen von „Risikominimierung“, ein Wort, das er sonst hasst. Aber er will den Real-Star fit für die Endrunde, nicht für ein Freundschaftsspiel gegen Ghana, das laut Rangnick „trotzdem als Sechser gewonnen werden muss“.

Der plan: ghana auspressen, südkorea überrennen
Am 27. März um 18 Uhr geht’s gegen Ghana, vier Tage später gegen Südkorea. Zwei Gegner, die sich auf Knochenarbeit verstehen. Rangnick testet sein 4-2-2-2 mit zwei hochstehenden Achtern. Das bedeutet: Sabitzer und Baumgartner werden die halbe Laufarbeit übernehmen, Wanner oder Chukwuemeka sollen die zentralen Lücken mit Dribblings öffnen. Dabei will Rangnick sehen, wer sich in engen Räumen nicht nur behauptet, sondern den Raum vergrößert.
Die Fans bekommen zwei Heimspiele, das letzte vor der Sommer-Reise. Karten sind restlos weg, 50 000 werden im Happel-Stadion stehen, die Hälfte mit Wanner-Trikots, die andere Hälfte wartet auf das erste Tor von Arnautovic seit seinem Serien-Comeback. Der Goalgetter selbst scherzte gestern: „Wenn Paul mir die Eier legt, schieße ich sie ab.“
Rangnick wird die Kadersichel nach jedem Training neu schärfen. Gegen Ghana will er sehen, wer defensive Standards verteidigt. Gegen Südkorea testet er, wie seine Truppe mit asiatischen Tempo-Wechseln umgeht. Danach entscheidet er, wer im Juni ins Trainingslager nach Seefeld fährt – und wer zu Hause bleibt.
Die Botschaft ist klar: Österreich will nicht nur dabei sein in den USA, Kanada und Mexiko. Es will mitspielen. Und mit Wanner und Chukwuemeka hat Rangnick zwei Joker, die noch nicht einmal die Gegner auf dem Scoutingsheet stehen haben. Perfide, effektiv – österreichisch.
