Empoli stürzt ab: drei trainer, ein sieg – jetzt droht der absturz

Ein 2:0 reichte nicht. Catanzaro drehte in 15 Minuten die Partie, der Klub aus der Toskana verspielte erneut eine Führung – und verspielt gerade die Saison. Seit Jahresbeginn holte Empoli viermal Punkte, mehr als jeder andere Serie-B-Klub verlor. Der Zug zu den Playoffs ist abgefahren, nun zittert die Mannschaft um das reine Überleben.

Der blick auf den tabellenfuß reicht

Mantua, Platz 16, liegt nur einen Punkt dahinter. Zwischen Position 13 und 20 trennen drei Zähler – ein enges Korsett, in dem Empoli seit Wochen nach hinten rutscht. Die Statistik ist gnadenlos: fünf Niederlagen nach eigener Führung, 25 Gegentore nach der Pause, kein Sieg seit dem 2:0 in Cesena am 4. Januar.

Damals schien noch alles möglich. Die Azzurri hatten sich auf Rang 8 hochgearbeitet, das Montepaschi-Forum sprach offen von Aufstiegsträumen. Doch das 2026 wurde zur Horror-Serie: elf Partien, nur drei Punkte aus vier Remis, Torverhältnis 8:19. Trainerwechsel Nummer zwei folgte.

Pagliuca, dionisi, caserta – ein jahr, drei gesichter

Pagliuca, dionisi, caserta – ein jahr, drei gesichter

Roberto Pagliuca musste nach sieben Spieltagen gehen, trotz neun Punkten. Paolo Dionisi bekam fünf Monate, um Kompaktheit zurückzubringen – und schaffte 22 Zähler aus 22 Partien. Nun ist Fabio Caserta die dritte Lösung in 29 Spieltagen. Seine Mission: neun Finals, neun direkte Duellen gegen Mitkonkurrenten ums Nichtabstiegs-Ticket.

Der neue Mann hat keine Zeit für Philosophie. Am Sonntag geht’s nach Mantua, danach folgen Spezia, Pescara, Sampdoria, Padua und Chiavari. Wer bis dahin nicht mindestens zwölf Punkte sammelt, könnte am letzten Spieltag in der roten Zone stehen.

Die schreckenszahlen des jahres

Die schreckenszahlen des jahres

Empoli ist das einzige Team, das 2026 noch kein einziges Mal in Führung liegend punktete. Vier Mal ging die Mannschaft in Front – vier Mal blieb sie leer. Kein Club kassierte spätere Tore so regelmäßig, keiner verschenkte mehr Spiele. Die analytische Abwehr der Dionisi-Ära existierte nur auf dem Papier, der Glaube an die eigene Stärke bröckelt mit jedem späten Gegentreffer.

Stiven Shpendi traf dreimal, doch seine Tore reichten nie für drei Punkte. Die Mittelfeldlinie verlor nach der 70. Minute 63 Prozent ihrer Zweikämpfe – ein Wert, der sich kaum aus Statistikbüchern erklären lässt, sondern nur mit Kopf und Beinen.

Kalender statt kalkül

Kalender statt kalkül

Restprogramm: sechs Gegner aus dem unteren Drittel, zwei Derby-Charakter, kein Topteam mehr. Für Caserta ist das ein Vorteil – und eine Falle. „Wenn wir nicht sofort punkten, bestimmen andere unser Schicksal“, sagte er bei seiner Vorstellung. Der Coach setzt auf Umstellungen: viererkette statt Dreierkette, ballbesitzorientierte Anfangsphase, frühes Umschaltmoment. Die Trainingseinheiten sind kürzer, intensiver, mit Videoeinheiten bis spät in den Abend.

Die Fans reagieren zwiegespalten: 7.500 Karten sind bereits für Mantua verkauft, doch die Stimmung kippte nach dem Catanzaro-Collaps erneut. Social-Media-Kanäle überschlagen sich mit Kritik an der sportlichen Leitung, die im Winter nur Leihgeschäfte tätigte. Präsident Fabrizio Corsi hält sich bedeckt, doch intern heißt es: wer bis Spieltag 35 keine 40 Punkte hat, muss mit dem Play-out rechnen.

Die letzte patrone

Empoli kennt das Tal. 2005 folgte der Abstieg in die damalige C1, 2017 der Wiederaufstieg. Die Parallelen sind unangenehm: damals ebenfalls drei Trainer, ebenso viele Chancenversiebungen. Der Unterschied: die Lizenzspielerabteilung war jung, hungrig. Heute sitzen Erfahrung und Leihdruck nebeneinander. Die Mannschaft ist älter, teurer, verunsicherter.

Caserta hat beim Crotone schon einmal den Klassenerhalt gesichert – mit zwei Siegen am letzten Spieltag. Seine Devise: „Erst die Defensive stabilisieren, dann die Emotionen.“ Die nächsten 270 Minuten werden entscheiden, ob Empoli 2027 in der Serie A plant oder erneut den Weg in die dritte Liga antritt. Die Uhr tickt, der Ball rollt – und die Toskana hält den Atem an.