Emma aicher jagt mikaela shiffrin: 219 punkte rückstand, neun rennen – jetzt wird’s rau
Emma Aicher hat in Soldeu den Turbo gezogen. Mit dem dritten Super-G-Sieg dieser Saison und Rang zwei beim Folge-Rennen schob sich die 22-Jährige auf 27 von 28 möglichen Weltcup-Starts bis an die Fersen von Mikaela Shiffrin heran. 219 Punkte fehlen noch auf die Gesamtweltcup-Königin – und das, obwohl Shiffrin eigentlich nur Slalom und Riesenslalom fahren wollte.
Was niemand erwartete: Shiffrin trainierte zuletzt auf Instagram-Endorphin-Video-Super-G-Skiern. Die Botschaft an Aicher: Ich komme mit. Viktoria Rebensburg lacht im Eurosport-Studio: „Ich glaube, Mikaela spürt Emmas Atem im Nacken.“ Die ehemalige Olympiasiegerin sieht die neue deutsche Macht als einzige ernsthafte Herausfordererin.
Der plan von aicher: einfach alles fahren
Während Shiffrin noch überlegt, ob sie die letzten beiden Super-G-Läufe riskiert, hat Aicher längst entschieden: alle neun verbleibenden Rennen stehen auf ihrer Liste. Drei Abfahrten, zwei Super-G, vier Technik-Wettbewerbe – kein Ausflug, sondern ein Komplett-Programm. Ihre Statistik: 27 Rennen, 18 Top-Ten-Plätze, fünf Podeste. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Sie ist nicht müde, sie ist hungrig.
Im Kleinen Kristall für die Abfahrt liegt Aicher nur 94 Punkte zurück – und das gegen eine verletzte Lindsey Vonn, die sich auf Instagram in Tränen auflöste. Das Video von Vonn zeigt eine Frau, die ihren Körper nicht mehr gehorchen hört. Für Aicher heißt das: kein Druck von der US-Legende, sondern ein Vakuum, das sie mit deutscher Präzision füllen kann.

Fassatal wird zur schaltstelle
Bereits am kommenden Wochenende könnte Aicher den Rückstand auf Shiffrin auf unter 100 Punkte schmelzen. Zwei Abfahrten, ein Super-G – Pisten, auf denen sie sich wie auf dem heimischen Kaisergebirge fühlt. Sollte sie dort doppeln, wäre Shiffrin gezwungen, ihre ursprüngliche Taktik zu überdenken und ebenfalls in die Speed-Strecke einzugreifen. Ein Szenario, das vor sechs Wochen noch undenkbar war.
Rebensburg warnt trotzdem vor Zugrundegehen an Zahlen: „Emma muss bei sich bleiben, ihr Ding durchziehen.“ Die Olympischen Spiele haben gezeigt, dass Aicher auch dann liefert, wenn die Anlage brummt und die Erwartungen tonnen. Ihr Flow ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines Sommers, in dem sie auf Gletschern zwischen Sölden und Zermatt mehr Trainingseinheiten absolvierte als jede ihrer Konkurrentinnen.
Die Kristallkugel ist noch nicht gebrochen, aber sie fängt an zu blinken. Shiffrin wird nicht ewig fahren, sagt Rebensburg. Danach kommt Emma. Vielleicht schon in vier Wochen.
