Elfie wellhausen schießt hertha richtung 2. liga – und studiert nebenbei jura
16 Tore in 13 Spielen, Spitzenreiter in der Regionalliga Nordost – und dazwischen Vorlesungen an der FU Berlin: Elfie Wellhausen treibt Hertha BSC mit einer Leistung an, die selbst ihre Mutter stutzen lässt. „Meine Mutter wäre bestimmt nicht stolz, wenn sie das hört“, sagt die 20-jährige Stürmerin und meint damit nicht die Treffer, sondern ihren Alltag: Fußball als Hauptjob, Jura-Studium als Nebensache.
„Ich würde eher sagen, dass ich nebenbei studiere“
Wellhausen arbeitet zehn Stunden pro Woche im Hertha-Fanshop, verpasst kein Training, schwänzt keine Pflichtspiele. Vorlesungen werden nachgearbeitet, Präsenzseminare umgeschichtet. „Spiele und Training verpasse ich nie“, betont sie. Die Prioritäten sind klar: Platz eins in der Tabelle, dann Erstes Staatsexamen. Ein Doppelleben, das sie selbst als „nicht die attraktivste Vorstellung“ bezeichnet, sollte der Aufstieg platzen.
Dabei steht der Club vor der größten Entscheidung seit Jahren. Am vorletzten Spieltag gastiert Hertha bei Unions Zweitvertretung – drei Punkte Vorsprung, alles offen. „Ich würde behaupten: ja, es läuft auf dieses Duell hinaus“, sagt Wellhausen. Iben unterstellt der Gegner nichts, doch der Vorteil liegt auf ihrer Seite: Während Union Personal rauf- und runterschichten muss, spielt Hertha seit drei Jahren mit demselben Kern. „Wir sind ein zehnprozentig eingespieltes Team.“

Vom internationale-kicker zur hoffnungsträgerin
Die Laufbahn der Berlinerin begann beim FC Internationale, erst bei den Jungs, dann durch alle Altersklassen. Mit 14 wechselte sie ins Frauen-Internat von Hertha 03 Zehlendorf, heute trägt sie das Blau-Weiß der Hauptstädter – und trägt es weit: 1,72 m groß, 68 kg schwer, ein Sprintwert, den die Analysten intern als „elite“ einstufen. Doch die Zahlen interessieren sie weniger als der Blick nach vorn. „Der größte Traum ist, irgendwann in der Nationalmannschaft zu spielen“, sagt sie. Noch kein Länderspiel, keine U-20-Mission, aber ein Selbstvertrauen, das selten für ihre Generation ist.
Mit der Regionalliga-Konkurrenz tauscht sie sich aus – Leipzigerinnen, Türkiyemspor, Hohen Neuendorf. „Wir sind sehr weit vorn mit dabei“, bilanziert sie. Der Blick auf andere Klubs dient nicht der Schadenfreude, sondern der Standortbestimmung. Denn der Sprung in die 2. Liga würde nicht nur die sportliche DNA der Berlinerinnen verändern, sondern auch ihre eigene: Erstmals wäre Fußball kein Hobby mehr, sondern Beruf. „Es ist natürlich nicht die attraktivste Vorstellung, noch ein Jahr Regionalliga zu spielen“, räumt sie ein. Doch dann schlägt die Stimmung um: „Ich liebe es, hier zu spielen. Ich bin hier großgeworden.“
Die Entscheidung steht schon jetzt fest: Klappt der Aufstieg, bleibt sie. Klappt er nicht, wird sie trotzdem bleiben – zumindest kurzfristig. Denn das Versprechen, mit Freundinnen Bundesliga oder Champions League zu erleben, wiegt schwerer als jedes Angebot aus Wolfsburg oder München. Die Chemie im Kader ist „sehr gut“, die Kabine eine zweite Familie, das Trainerteam „toll“. Elfie Wellhausen hat sich ein Ziel gesetzt – und dieses Ziel trägt die Farben von Hertha BSC. Wenn am 15. Mai die Liga-Sirene ertönt, will sie nicht nur Torschützenkönig sein, sondern auch Zeugnis darüber, dass man mit 20 Jahren, einem Jurabuch und einem Paar Stollenschuhen die eigene Zukunft formen kann. Dann wird ihre Mutter vielleicht doch stolz sein – und die 2. Liga hat einen neuen Shootingstar.
