El mala trifft, u21 träumt: em-bahn liegt wieder frei
Athen – 90 Minuten nach dem Abpfiff steht Said El Mala noch immer auf dem Rasch, die Hände auf den Knien, die Tränen in den Augen. Sein erster Treffer im sechsten U21-Einsatz bedeutet mehr als drei Punkte. Er bedeutet: Deutschland darf wieder vom Sommermärchen 2025 in Serbien/Albanien träumen. Der 2:0-Sieg im Olympiastadion rückt die DFB-Elf auf Rang eins zurück – und entlarvt die Rechnerei der Vorrunde als Selbstverschuldet, aber lösbar.
Der drehschuss, der die gruppe k auf den kopf stellt
El Malas Schlenzer in der 11. Minute war kein Tor, es war ein Befreiungsschlag. Nach der 2:3-Pleite im Hinspiel hatte die U21 nur noch Finale gesehen, sonst nichts. Die griechische Führung versprach Torspektakel, lieferte aber nur Halbchancen. Erst nach dem Seitenwechsel schmolz die Athener Wand: Bischofs Freistoß, Kades Kopf, 2:0 – Auswärtsblock explodiert. Mio Backhaus parierte in der 68. Minute gegen Saliakas wie ein Großer, um den Knock-out zu verhindern. Drei Siege aus drei verbleibenden Spielen – Lettland, Malta, Georgien – und die Tickets sind gebucht.
Die Mischung aus Erleichterung und Euphorie ist greifbar. Toni Di Salvo spricht von „Kopf- und Herz-Arbeit“, El Mala von „Verlust und Verpflichtung“. Die Oma hatte den Jungen zum Training gefahren, jetzt lenkt sie ihn von oben. „Ich bin geblieben, weil sie mich nie hat gehen lassen“, sagt er und lächelt trotz Roter Augen. Die U21 war seine Rettung, nachdem Julian Nagelsmann ihn für die A-Nationalmannschaft übersprungen hatte. Der Schalker Assan Ouédraogo fehlt verletzt, der Kölner nimmt die Bühne.

Restprogramm: favoritenrolle, aber keine garantie
Die Zahlen sind klar: Deutschland (17 Punkte) liegt einen Zähler vor Israel, zwei vor Griechenland. Ein Sieg in Riga reicht theoretisch, doch der direkte Vergleich gegen Griechenland ist gewonnen – ein Unentschieden in Tiflis würde reichen, wenn man die anderen Spiele gewinnt. Die Gegner klingen machbar, doch die U21 hat sich in dieser Quali schon gegen Kosovo und Färöer blamiert. Di Salvo warnt: „Wir haben den Knoten nur gelockert, nicht durchtrennt.“
Für El Mala geht die Rechnung auf: Sein Tor war der erste Schuss aufs griechische Tor. Die Quote klingt nach Stochastik, fühlt sich wie Schicksal an. Am Dienstag fliegt die Mannschaft nach Düsseldorf, dann nach Köln – ins Stadion, in dem er sonst für den FC aufläuft. Wenn er dort trifft, wird die Oma wieder in der Kurve sitzen – zumindest in Gedanken. Die EM ist nah, die Trauer bleibt. Aber das nächste Sommermärchen beginnt mit einem Drehschuss und einem Kuss zum Himmel.
