Eiskunstlegende sonja henie: vom 'häseken' zur hollywood-diva

Vor 114 Jahren erblickte die Welt eine Athletin, deren Name untrennbar mit dem Eiskunstlauf verbunden ist: Sonja Henie. Drei olympische Goldmedaillen, zehn Weltmeistertitel und ein fulminanter Hollywood-Karriere – ihre Erfolge sind legendär. Doch hinter dem glitzernden Image einer perfekten Sportlerin verbarg sich eine komplexe Persönlichkeit, deren Leben von Ehrgeiz, Kontroversen und dem Wandel der Zeit geprägt war.

Die frühen jahre: vom bahnrad-weltmeister zum eiskunstlauf-wunderkind

Die Geschichte von Sonja Henie beginnt in Oslo, wo sie am 8. April 1912 als Tochter des Bahnrad-Weltmeisters Wilhelm Henie geboren wurde. Bereits in jungen Jahren zeigte sie außergewöhnliches Talent auf dem Eis und trat in die Fußstapfen ihres Vaters. Mit elf Jahren gab sie ihr Debüt bei den Olympischen Spielen in Chamonix – ein Wettkampf, der ihr noch zu früh kam. Ein Sturz und der Spitzname „Fräulein Hoppla“ sollten ihr jedoch den Startschuss für eine außergewöhnliche Karriere geben.

In Berlin erntete sie den weniger schmeichelhaften Beinamen „Häseken“, nachdem sie bei einem Auftritt im Sportpalast eine Hasenpfote um den Hals trug – ein Aberglaube, der ihr von einem Berliner Original eingebracht wurde. Doch dieser Spitzname sollte bald in die Motten kommen, denn Sonja Henie machte Ernst und dominierte den Eiskunstlauf wie kaum eine andere Athletin.

Die goldene ära: drei olympiasiege und eine ära der dominanz

Die goldene ära: drei olympiasiege und eine ära der dominanz

Von 1928 bis 1936 feierte Sonja Henie einen triumphalen Erfolg nach dem anderen. Bei den Olympischen Spielen in St. Moritz gewann sie mit 15 Jahren die Goldmedaille und wurde zur jüngsten Winterolympiasiegerin in einer Einzeldisziplin. Weitere Siege folgten in Lake Placid und – umstritten – in Garmisch-Partenkirchen 1936, wo sie vor den Augen Adolf Hitlers erneut triumphierte. Die „Pawlowa des Eises“, wie sie genannt wurde, schien unbesiegbar.

Ihr dritter Olympiasieg markierte jedoch nicht den Höhepunkt ihrer Karriere, sondern den Beginn eines neuen Kapitels. Nur wenige Monate später unterschrieb sie einen lukrativen Vertrag bei 20th Century Fox und wagte den Sprung ins Hollywood-Kino.

Hollywood-glanz und kontroversen: die dunklen seiten des erfolgs

Hollywood-glanz und kontroversen: die dunklen seiten des erfolgs

In Hollywood wurde Sonja Henie zu einer der bestbezahlten Schauspielerinnen der Welt. Ihre Eisrevue-Filme waren ein Riesenerfolg und brachten ihr Millionen ein. Doch ihr Erfolg war auch von Kontroversen begleitet. Ihre Nähe zum NS-Regime, inklusive eines Essens auf dem Berghof mit Hitler und seiner Familie, sorgte in Norwegen für heftige Kritik und belastete sie bis weit nach Kriegsende.

Nach ihrem Tod im Jahr 1969 sorgte ihre Biografie für Aufsehen und zeichnete ein weniger schmeichelhaftes Bild von ihr. Sie wurde als eine Frau dargestellt, die skrupellos war und über Leichen ging, um ihre Ziele zu erreichen. Doch Ansgar Molzberger relativierte diese Darstellung und betonte, dass die Beurteilung von Sonja Henies Handlungen immer im Kontext ihrer Zeit erfolgen müsse.

Sonja Henie, die am 12. Oktober 1969 in Paris an Leukämie starb, hinterließ ein komplexes Erbe. Sie war eine Pionierin des Eiskunstlaufs, eine erfolgreiche Hollywood-Schauspielerin und eine Frau, die ihrer Zeit weit voraus war. Ihre Geschichte ist eine faszinierende Mischung aus sportlichem Glanz, persönlichem Drama und politischen Verstrickungen – eine Geschichte, die uns auch Jahrzehnte später noch bewegt.