Eishockey: wer setzt wirklich auf junge talente in der national league?

Die National League präsentiert sich gerne als Brutstätte für neue Eishockeyspieler. Doch die Realität sieht oft anders aus: Während einige Klubs auf ihre Jugend setzen, werden andere Talente kaum ins Rampenlicht geführt. Unsere Analyse der letzten fünf Spielzeiten zeigt ein überraschend deutliches Bild – und wirft Fragen nach der langfristigen Entwicklung des Schweizer Eishockeys auf.

Die traurige bilanz: hc lugano am ende

Am Ende der Skala steht der HC Lugano, wo U-20-Spieler in den vergangenen fünf Jahren kaum eine Chance erhalten haben. Cyrill Henry, erst 18 Jahre alt, sorgte in dieser Saison für etwas Aufsehen mit 18 Einsätzen. Doch das ist eher die Ausnahme als die Regel. Die Bianconeri verlassen sich offenbar lieber auf ihre erfahrenen Spieler – oder auf das Farmteam Bellinzona Snakes. Die Frage ist, ob diese Strategie langfristig tragfähig ist, wenn man junge Talente fördern möchte.

Sc rapperswil-jona lakers: potenzial verschwendet?

Sc rapperswil-jona lakers: potenzial verschwendet?

Auch der SC Rapperswil-Jona Lakers hinkt hinterher. Die jungen Spieler kommen selten über 37 Minuten Eiszeit pro Saison hinaus. Zwar werden ältere Spieler (1-4 Jahre über U-20) in St. Gallen weiterhin gefördert. Doch die wirklich jungen Talente haben es schwer, ihren Weg in die erste Mannschaft zu finden. Andrin Flütsch konnte in dieser Saison zumindest einige Einsätze sammeln – ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft.

Hc ajoie: nachwuchsqualität fehlt

Hc ajoie: nachwuchsqualität fehlt

Der HC Ajoie muss sich eingestehen, dass der eigene Nachwuchs noch nicht ELITE-reif ist. Da die Jurassier keine eigenen Nachwuchsteams auf höchstem Niveau betreiben, fehlt es schlichtweg an der Qualität. In den ersten beiden Saisons wurde zwar noch auf U-20-Spieler gesetzt, aber die Ergebnisse waren nicht überzeugend. Eine ehrliche Bestandsaufnahme ist hier angesagt.

Die mittelfeld-teams: ein flickwerk aus einsatzzeiten

Die mittelfeld-teams: ein flickwerk aus einsatzzeiten

Ambri-Piotta profitiert von der starken Saison 2023/24, in der junge Spieler viel Eiszeit sammelten. Genève-Servette setzt vor allem auf Simas Ignatavicius, ein litauisches Ausnahmetalent. Ob er in der nächsten Saison in die NHL wechselt, bleibt abzuwarten. Lausanne HC und Fribourg-Gottéron zeigen einen klaren Trend: Auch sie setzen vermehrt auf junge Spieler, was sich in verbesserten Statistiken widerspiegelt. Ludvig Johnson beispielsweise ist einer der Shootingstars in Fribourg und sammelte fast 550 Minuten Eiszeit.

Die top-klubs: zsc lions, scl tigers, davos, bern und zug

Die top-klubs: zsc lions, scl tigers, davos, bern und zug

Die ZSC Lions setzen primär auf die GCK Lions, geben aber talentierten Spielern wie Daniil Ustinkov die Chance, in der National League zu schnuppern. Die SCL Tigers haben mit ihrem neuen Campus eine gute Basis geschaffen, um junge Spieler in die erste Mannschaft zu integrieren. Der HCD setzt Beni Waidacher kontinuierlich ein und auch im Playoff sammelte der Center Eiszeit. Der SC Bern wird zwar oft für seine Nachwuchsarbeit kritisiert, aber in dieser Saison gelang es zumindest einigen jungen Spielern, den Sprung zu schaffen. Und schließlich der EV Zug: Die Zuger investieren weiterhin in die Integration junger Spieler und führen die Liste mit beeindruckenden 764:51 Minuten Eiszeit an. Gian Menzi, ein weiteres vielversprechendes Talent, ist hier auf dem Sprung.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während der EV Zug und EHC Biel-Bienne konsequent auf junge Talente setzen, tun sich andere Klubs schwer. Ob das an fehlenden Nachwuchsteams, einer anderen Strategie oder schlichtweg an mangelnder Qualität liegt, bleibt abzuwägen. Die Zukunft des Schweizer Eishockeys hängt jedoch davon ab, ob die Klubs bereit sind, in ihre Jugend zu investieren – und nicht nur Lippenbekenntnisse abzugeben.