Eisenbichler kehrt zurück: dsv setzt auf alten kampfplan
Der Deutsche Skiverband (DSV) schickt sich an, die Flaute im deutschen Biathlon zu beenden – mit einem Comeback statt mit einem Neuanfang. Bernd Eisenbichler übernimmt erneut das Ruder, drei Jahre nach seinem Abschied. Der 50-Jährige folgt auf Felix Bitterling, der zur IBU wechselt.
Es ist kein Paukenschlag, sondern ein bewusster Griff ins Regal der Erinnerungen. Eisenbichler war schon von 2019 bis 2022 im Amt, damals mit wechselndem Erfolg. Jetzt soll er die Trümmer der vergangenen Saison wegräumen – nur eine Bronzemedaille bei den Spielen von Antholz, das Karriereende von Franziska Preuß, das Gefühl des Hinterherlaufens.
Ein trainer mit einschaltquote
Andreas Schlütter, Sportvorstand des DSV, spricht offen über „zahlreiche Gespräche“ mit anderen Kandidaten. Am Ende habe Eisenbichlers „klarer Blick auf die nächsten Entwicklungsschritte“ überzeugt. Gemeint ist: Er kennt die internen Knöpfe, er kennt die internationalen Gegner, er kennt das Druckkochtopf-Feeling, wenn ARD und ZDF live zuschauen.
Eisenbichler selbst gibt sich kampfbereit: „Jetzt geht es darum, gemeinsam mit allen Beteiligten zu prüfen, an welchen Stellen wir weiter nachschärfen müssen.“ Kein Pathos, kein Neuanfangsmythos – stattdessen die nüchterne Feststellung, dass etwas schiefläuft. Das ist neu, das ist ehrlich.
Der Übergang läuft schon. Bitterling und Eisenbichler tauschen sich aus, damit nichts verloren geht – außer vielleicht der Anschluss an Norwegen und Frankreich. Die Lücke beträgt derzeit rund 15 Prozentpunkte in der Saisonwertung. Das ist kein Riss, das ist eine Schlucht.

Der countdown läuft schon
Der erste Test kommt im Oktober, wenn die neue Weltcup-Saison in Kontiolahti beginnt. Dann zeigt sich, ob Eisenbichlers Rückkehr tatsächlich eine Strategie ist – oder nur eine Notlösung mit altem Logo. Die Athleten haben bereits signalisiert, dass sie keine weiteren Experimente wollen. Sie wollen Medaillen.
Der DSV wirft nicht mit Millionen um sich, wie es der norwegische Verband tut. Er wirft mit Namen – und mit der Hoffnung, dass Erfahrung diesmal schneller wirkt als frisches Geld. Eisenbichler hat neun Monate, um den Beweis zu liefern. Dann ist Weltcup in Oslo, dann zählt wieder nur die Uhr, nicht das Resume.
