Eisenach bremst löwen in letzter sekunde – ein punkt, der wie ein sieg schmeckt
29:29 – die Zahlen flackern nur Sekunden auf der Anzeigetafel, doch im Wohnzimmer von 2.300 Fans hallt es länger nach. Der ThSV Eisenach hat den großen Rhein-Neckar Löwen in der heimischen Sporthalle einen Zahn gezogen, und niemand im Saal weiß so recht, ob er jetzt jubeln oder weinen soll. Denn bis zur 50. Minute dominierte der Underdog, führte mit 26:23, ließ die Angriffsreihen der Gäste verzweifeln. Dann kam der Kollaps.
Ein 4:0-lauf reicht, um die welt aus den fugen zu heben
Plötzlich lief nichts mehr: zwei technische Fehler, ein verpatzter Abschluss, eine Strafe. Die Löwen rochen Blut, schöpften aus ihrem letzten Kraftreservoir und wendeten die Partie binnen 180 Sekunden. Vincent Büchner, noch der Held beim 26:23, stand mit offenem Mund am Kreis, als der Gegner zum 27:26 traf. „Wir haben gezittert wie ein Cabrio bei 180 km/h“, sagte Büchner später, und man glaubt ihm jedes Wort.
Doch Eisenach antwortete mit der Eigenschaft, die in der 2. Bundesliga oft mehr zählt als Talent: reine Willenskraft. Peter Walz blockte, Stephan Seitz netzte aus dem Rückraum, und als der Schlusspfiff ertönte, stand ein 29:29 auf der Uhr – ein Ergebnis, das in der Tabelle wie ein halbes Goldstück aussieht. „Wir haben uns den Punkt erkämpft, nicht geschenkt bekommen“, betonte Walz und wischte sich Schweißsträhnen aus dem Gesicht.

Abstiegskampf bekommt neue farbe
Trainer Sebastian Hinze schlug mit der Faust auf die Taktikmappe, aber die Wut war nur Makulatur. Sein Blick schweifte zur Tabelle: Platz 15, ein Punkt Vorsprung auf den ersten Abstiegsrang. „Wenn wir 50 Minuten lang die Kontrolle haben, darf uns keine fünfminütige Blackout retten“, sagte er, doch dann kam die Erleichterung: „Im Rückspiel in Mannheim wissen die Löwen jetzt, dass sie sich die Haare nass kriegen.“
Der ThSV spielte sich mit diesem Remis in die Köpfe der Konkurreenz. Wer in Eisenach gewinnen will, braucht mehr als nur eine gute Phase. Die Fans feierten ihre Mannschaft, als wäre der Pokal schon in der Vitrine. Geschäftsführer Rene Witte wischte Schweiß vom Jackett und grinste: „Jeder Punkt gegen die Großen ist ein kleiner Hammer auf dem Weg nach oben.“
Am Ende steht eine Wahrheit, die selten so deutlich war: Ein Punkt kann mehr wert sein als drei, wenn er Selbstvertrauen liefert. Eisenach hat bewiesen, dass es in der eigenen Halle nicht nur spielt, sondern beißt. Die Löwen ziehen mit einem blutenden Pfotenabdruck davon – und wissen: Rückrunde wird kein Spaziergang.
